Auf ein Wort Licht, nicht Leid

Der Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine vorgestern lässt wohl niemanden kalt. Und das große Erdbeben in Syrien und der Türkei vor einem Monat auch nicht. Natürlich werden die Aufregung und das Entsetzten schnell kleiner, wenn man nicht selbst betroffen ist. Sonst wäre es auch kaum auszuhalten. Aber ich möchte mich nicht an schlechte Nachrichten gewöhnen und verlorene Menschenleben bei Verkehrsunfällen, in Natur- oder Hungerkatastrophen als gegeben hinnehmen. Verändern kann ich alleine wenig, das ist mir klar. Das macht mir zu schaffen.

In unserer Gemeinde St. Franziskus im Bremer Süden haben wir einen kleinen Weg gefunden, um uns weniger ohnmächtig vorzukommen: Wir haben Osterkerzen gestaltet. Normalerweise verkaufen wir vorgefertigte Kerzen mit Kreuz, Jahreszahl und verschiedenen Symbolen, die unser Kerzenlieferant uns anbietet.

In diesem Jahr haben wir weiße Kerzen bekommen und uns am Jahrestag des Krieges getroffen. Viele Familien mit Kindern und andere Personen aus der Gemeinde waren da. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: 60 bunte Kerzen, die die Menschen in der Zeit vor Ostern kaufen und in der Osternacht entzünden können.

Auf den Kerzen sind aus Wachs modellierte Kreuze und die Buchstaben Λlpha und Ωmega. Alpha ist der erste, Ωmega der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie stehen für das Versprechen Jesu, vom Anfang bis zum Ende aller Tage bei den Menschen zu sein.  Daneben finden sich auch viele Symbole für den Frieden: die Taube und der Regenbogen aus der Noah-Erzählung als Zeichen von Gottes Bund mit den Menschen, das "Peace"-Zeichen und der Schriftzug "Pace" - Frieden.
Blumen und Ranken stehen für das Leben an sich, goldene und silberfarbene Elemente dafür, dass es wertvoll ist.

Der Erlös der Osterkerzen geht an polnische Ordensschwestern, zu denen es in unserer Gemeinde eine persönliche Beziehung gibt. Sie versorgen Geflüchtete und Verwundete in ihrem Kloster. Es steht im Grenzgebiet der Ukraine zu Polen.

Dabei ist es egal, ob es sich um Geflüchtete aus der Ukraine handelt oder um Soldaten, egal welcher Seite. Die Schwestern erleben hautnah, dass kein Mensch im Krieg sterben will.

In der Osternacht wird eine einzelne brennende Kerze unseren dunklen Kirchenraum erhellen. Für mich einer der Gänsehaut-Momente im Jahr. Die Botschaft des Osterfestes ist so deutlich: Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort. Gott will kein Leid. Das Leben hier ist Gott kostbar.  Wo immer es gelingt, das deutlich zu machen, wird es hell: für mich und für andere. So hell, wie die bunten Osterkerzen bald leuchten werden – und so hell, wie die Freude der Ordensschwestern über unsere kleine finanzielle Unterstützung in ihrem Dienst.

Dieses Thema im Programm: 26. Februar 2023, 7:45 Uhr

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