Auf ein Wort Ben und Adel

Sommerzeit ist nicht unbedingt Kinozeit. Dennoch hatte ich Lust, an diesem Sommerabend mal wieder ins Kino zu gehen. Im Vorfeld gab es verschiedene Empfehlungen für den Film "Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie". Vom Titel her war ich nicht gleich überzeugt, weil mich schon manche angekündigte Komödie ziemlich enttäuscht hatte. Und dann sollte das auch noch eine göttliche Komödie sein. Ich war vorsichtig gespannt.

Der Plot ist im Wesentlichen schnell erzählt. Ben, ein ultraorthodoxer Jude, und Adel, ein muslimischer Beduine, treffen in der Wüste Sinai aufeinander. Ben, muss nach Alexandria, um dort die jüdische Gemeinde zu retten. Und Adel sucht sein Kamel. Und der gemeinsame Weg geht nur durch die Wüste. Keine einfache Geschichte bei zwei so grundverschiedenen Männern in dieser existentiellen Wüstenrealität. Der eine, voll bepackt und im traditionellen Ornat der orthodoxen Juden unterwegs. Der andere, mit Wüstengewand und Palästinensertuch bekleidet.

Und so machen die beiden sich auf den Weg, erst einmal mit wenig Sympathie füreinander. Viele Feindbilder und Vorurteile treffen hier aufeinander. Ganz zu schweigen von den religiösen Vorstellungen, die sie voneinander haben. Doch dann lernen sie sich kennen und fangen an, einander besser zu verstehen.

Mit der Zeit entsteht Nähe und Respekt und sie freunden sich sogar an. Die anfänglichen Vorurteile und Feindbilder schmelzen gleichsam in der unerbittlichen Wüstensonne dahin. Sie erkennen: Der andere ist wie du und ich. Kein festgenageltes Bild eines Juden oder Arabers, sondern einfach ein Mensch, der es verdient, würde- und respektvoll behandelt zu werden.

Kein Wunder, dass sich die beiden auch hinsichtlich ihrer unterschiedlichen religiösen Praxis annähern und einen wüstentauglichen Weg zueinander finden. Ein wenig Mehl und in einer Felsspalte gefundene Taubeneier genügen. Und der praktisch veranlagte Adel lernt: Wenn Ben mit kocht, ist es automatisch koscher.

Für ihn eine Voraussetzung für das gemeinsame Mahl. Oder wie Adel es ausdrückt: "Heute mag dein Gott mein Brot." Und er fügt noch hinzu: „Die Beduinen sagen: Wenn jemand mit Dir isst, gibt es keinen Streit. Gibt es Freundschaft.“ So geht Versöhnung praktisch in der Wüste.

Das alles ist mit einer Leichtigkeit erzählt, mit einem feinen Sinn für Humor und auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit, so dass es zum Nachdenken anregt. Denn hier wird etwas Universales erzählt, das über die Wüste Sinai weit hinausreicht. Wenn sich verfeindete Parteien auf einer persönlichen Ebene begegnen, ist das die Grundlage für Frieden und Versöhnung. Dann kann etwas entstehen, was wirklich verbindet und versöhnt.


Dieses Thema im Programm: 11.09.2022, 07:40

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