Auf ein Wort Mein Ja zu dir!

Meine Großmutter war sehr gottesfürchtig. Immer, wenn wir bei ihr zu Besuch waren, musste ich mit ihr gemeinsam beten, am Sonntag in die Kirche gehen und sogar das ein oder andere Mal den Rosenkranz beten. Sie hatte im Flur einen kleinen Altar. Mit allem, was so dazu gehört: Kerze, Kreuz, Weihwassertöpfchen und eine Marienfigur.

Sie war wunderschön. Sie trug einen blauen Mantel mit Pelzbesatz, den meine Oma selbst genäht hatte. Ich weiß noch gut, wie oft ich vor dieser Figur stand, sie bewundert habe und mir diesen Mantel für meine Barbies ausleihen wollte. Er hätte ihnen wirklich gut gestanden. Aber ich durfte nicht, denn der Mantel war nicht zum Spielen.

Immer, wenn ich vor diesem Altar stand, nahm Oma mich beiseite und erzählte mir Geschichten von Maria. Ich bin ehrlich, als Kind, habe ich das nicht verstanden. Ich konnte nicht verstehen, warum Maria für meine Oma so eine wichtige Person war. Das habe ich erst viel, viel später erfahren.

Meine Oma hatte es nicht leicht im Leben. Erst der Krieg, dann der Mann als Soldat gefallen, kurz darauf verstarb die Tochter an Diphterie. Dann lernte meine Oma meinen Opa kennen und sie heirateten. Obwohl mein Opa ein großartiger Mann war, führte er zu Hause ein strenges Regiment. Er trank. Manchmal sogar zu viel. Dann kam es vor, dass er meine Oma bedrängte… Schließlich gab es gewisse Erwartungshaltungen an Ehefrauen in den 50er Jahren.

Meine Oma hat viel Kraft aus ihrem Glauben an Maria gezogen. Für sie war sie ein Vorbild. Eine starke und mutige Frau. Als der Engel zu ihr kam und sagte, dass sie schwanger sei, sagte sie Ja zu diesem Kind. Und damit Ja zu Gott. Es war kein "mal sehen", auch kein "vielleicht", es war ein von Vertrauen durchtränktes, sicheres "Ja". Darin ist Maria vermutlich nicht nur für meine Oma, sondern auch für mich ein Vorbild. Schließlich habe auch ich mal Ja zu Gott und zur Kirche gesagt.

So manches Mal, wenn es mir schwerfällt, für die Kirche zu arbeiten, wenn ich Zweifel hege oder mich fühle, als würde ich mal wieder gegen Windmühlen kämpfen, weil sich eh nichts verändert, dann muss ich daran denken, dass es jemanden gibt, der sein Ja zu mir schon viel länger gesprochen hat, als ich meines zu ihm: Gott. Für mich ist das ein sehr tröstlicher Gedanke, denn immer, wenn ich mit der Kirche hadere, erinnere ich mich daran, dass ich mich für Ihn immer wieder entscheiden würde.

Fabienne Torst

Dieses Thema im Programm: 18. Juni 2023, 7:40 Uhr

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