Auf ein Wort Heilig – was?

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  • Von Gemeindereferentin Dorothee Michels-Uroić

Eine Collage, im Original zweieinhalb mal anderthalb Meter groß. Zeitungsfetzen, von Acrylfarben übermalt, Schicht auf Schicht. Wenn man nah davor steht, erkennt man einzelne Wörter auf den Zeitungsschnipseln: "der Anfang", "Geld", "Leben". Wenn ich weiter zurücktrete, setzten sich die bunten Tupfen zu farbigen Flächen zusammen: ein roter Hintergrund, zwei Paar Hände, eine Weltkugel.

"Was ist uns heilig?" hat der Künstler Emeka Udemba sein Werk überschrieben. Er stammt aus Nigeria und lebt in Freiburg. Seine Collage ist das neue Hungertuch des Hilfswerks Misereor. Dieses und nächstes Jahr hängt es als Nachdruck in vielen katholischen Kirchen – und regt vor Ostern dazu an, dem Heiligen auf den Grund zu gehen.

Wenn man spontan Menschen fragt, was Ihnen heilig sei, ist die Bandbreite bei den Antworten groß: "der erste Kaffee am Morgen, die Gesundheit, die eigene Familie, mein  Mittagsschlaf, der einzige Fußballpokal, …" So auch in unserer Kirchengemeinde. Seit dem letzten Sonntag setzten wir uns mit der Frage auseinander. Und klar, wenn man diese Frage während eines Gottesdienstes stellt, kommen auch scheinbar frommere Antworten: "mein Glaube, Gott, die Liebe".

In einer Vorbereitungsgruppe für diese Gottesdienste habe ich gelernt, dass es in manchen Sprachen völlig undenkbar ist, das Wort heilig so zu benutzen, wie wir es in der deutschen Sprache zurzeit tun: „heilig“ ist gleichbedeutend mit "sehr wichtig, da würde ich alles für tun, ohne das möchte ich nicht leben" und es darf nicht nur im religiösen, sondern auch für scheinbar profane Dinge gebraucht werden wie den ersten Kaffee, in aller Ruhe getrunken, bevor der Rest der Familie aufwacht.

"Profan", das Wort finde ich faszinierend. Wenn wir es heute benutzen, klingt es abschätzig: "Die Äußerungen waren aber sehr profan!", also wenig geistreich und sehr gewöhnlich. Im Lateinischen ist es der Gegensatz zu "sakral", also "heilig". Im jüdischen Tempel war das der Bereich vor dem Allerheiligsten. Das Allerheiligste durften nur die Priester betreten. Alle andern mussten vor dem Heiligen bleiben: im Profanen.

Als Christin glaube ich, dass im Letzten nur Gott heilig ist. Wir Menschen sind tatsächlich profan, also vor dem Heiligen. Das bedeutet nicht, dass ich mich ihm nicht nähern dürfte, im Gegenteil. Menschen in die Liebe Gottes zu stellen war das Hauptanliegen von Jesus von Nazareth. Und diese Nähe Gottes ist überall, nicht nur im heiligen Tempel. Jederzeit sind wir profan, also vor dem Heiligen. Er ist an unserer Seite, grade in den ganz profanen Dingen des Alltags. Das ist Gott nicht zu gewöhnlich, da bin ich sicher.

Wer lesen möchte, wie das so ist, Gott quasi beim ersten Kaffee des Tages zu begegnen, dem seien die Bücher von Hanns Dieter Hüsch ans Herz gelegt. Er spricht davon, dass Gott auf dem Fahrrad seine Schwester in Dinslaken besucht. Oder, etwas aktueller, Annette Jantzens "Wenn Gott zum Kaffee kommt", in dem er aber auch zu Altbier nicht nein sagt.

Das Göttliche und das Menschliche, das Besondere und das Alltägliche hat Emeka Udemba im Hungertuch eingefangen. Viel Stoff für die Zeit bis Ostern!

Dieses Thema im Programm: 5. März 2023, 7:40 Uhr

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