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Der Mittag mit Lutz Hanker

Album der Woche Calum Scott zeigt, wie wunderschön Verletzlichkeit klingen kann

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Eine Stimme, die man nie vergisst – das mag abgegriffen klingen, trifft bei Calum Scott jedoch ohne Wenn und Aber zu. Was der Nordengländer auf seinem am 17. Juni erschienenen Album "Bridges" an Melodie und Emotion auftischt, kann sich nicht nur hören lassen, sondern geht unter die (Gänse)-Haut.

Albumcover Calum Scott "Bridges"
Bild: Universal Music
Calum Scott

So klingt Calum Scotts Album "Bridges"

So klingt Calum Scotts Album "Bridges"

Bild: Universal Music | Tom Cockram

Als Simon Cowell, Erfinder und Juror der Castingshow ”Britain’s Got Talent”, am 11. April 2015 auf den “Golden Buzzer” drückte und damit einen sichtlich nervösen 26-Jährigen direkt in die Liveshows katapultierte, zündete er damit die erste Stufe einer Stimmrakete, die Balladenfeeling in ungeahnte Höhen zu treiben vermag. Gut, im Staffelfinale vermochte Calum Scott zwar nicht voll zu liefern, das tut er aber spätestens jetzt mit seinem zweiten Album ”Bridges”. Mit 14 Songs plus einem Hidden Track tritt der am 12.10.1988 in Beverley im East Riding of Yorkshire geborene Sänger eine Welle intensiver Emotionen los, die sich sanft an den Gestaden weit gefächerter Melodien bricht.

Ich habe eine unglaubliche Fangemeinde und kann jeden einzelnen Tag meinem Traumberuf nachgehen!

Calum Scott
Calum Scott
Bild: Universal Music

Calum Scotts anfängliches Erstaunen über die Wendung, die sein Leben als in einer Personalabteilung tätiger „einfacher Junge aus Yorkshire“ genommen hat, ist der festen Überzeugung gewichen, als Musiker seinen Traumberuf gefunden zu haben. Diesen Traum möchte er nun mit seinen Fans teilen und hat sein neues Album genau deshalb “The Bridge“ genannt. Denn die Verbindung zwischen sich und seinen Fans betrachtet Scott nicht als Einbahnstraße: Über seine Musik begegnet er ihnen mit absoluter Aufrichtigkeit; sie wiederum teilen mit ihm ihre Geschichten und Erfahrungen, die sie mit seinen Songs machen. Der ursprüngliche Plan war, Calum Scotts neues Album nach ihm selbst zu benennen, da der Sänger sich seiner selbst noch nie so sicher gewesen ist wie zurzeit. Die Brücke als Symbol für die Verbindung zwischen den Menschen – auch über turbulentes Wasser hinweg – hat sich dann aber zu Recht durchgesetzt, da der gleichnamige Song darüber hinaus das persönlichste Lied sei, das er jemals geschrieben habe, betont Scott.

Ich hatte meinem Label gesagt, dass ich mich noch nie so nach Calum Scott gefühlt habe wie gerade jetzt. Als Sänger, Songwriter und als Mann besitze ich mittlerweile großes Selbstvertrauen.

Calum Scott

Sein gestiegenes Selbstvertrauen macht der Sänger mit dem sympathischen Lächeln gerade in den nur vom Klavier begleiteten Passagen seiner melodisch aufgeladenen Balladen, zu denen etwa “Goodbye, Again“ gehört, erfahrbar. Dort gibt es nichts, hinter dem Scott sich stimmlich verstecken könnte – und das ist auch gut so. Und wenn er gesanglich einmal so richtig aufdreht, dann ist das ganz großes Kino.

Fast alles an meiner Musik ist autobiographisch, einfach weil das der einzige Weg Musik zu schreiben ist, den ich kenne.

Calum Scott

Nicht nur, dass Calum Scott kompromisslos auf die Schönheit seiner Musik und auf den Klang seiner Stimme baut, auch bei seinen Songinhalten ist er schonungslos konsequent und setzt alles auf die Karte Ehrlichkeit. Der mit seiner Homosexualität mittlerweile offen umgehende Künstler verspürte das Bedürfnis, tiefer in seine Persönlichkeit einzutauchen, um herauszufinden, was für ein Mensch er sei und was er schon alles durchgemacht habe. Calum Scott scheint sich seinen persönlichen Schmerz von der Seele zu singen und vermag vielleicht gerade dadurch anderen auf der Suche nach sich selbst Halt zu geben. Zu Beginn seiner Songwriter-Laufbahn habe er immer noch überlegt, was die Leute wohl hören wollten, erzählt Scott Bremen Eins. Mittlerweile hat er den Spieß aber umgedreht und schreibt Songs über seine persönlichen Erfahrungen, seine Beziehungen zu anderen Menschen und die Achterbahn der Gefühle, die er in seinem Leben schon befahren hat. Jetzt falle ihm das Songwriting leichter und fühle sich natürlicher an, zieht Calum Scott Bilanz.

Calum Scott
Bild: Universal Music | Tom Cockram

Wenn man sein Leben nicht voll auskostet und seine entsprechenden Erfahrungen macht, dann erscheint es mir sehr schwierig Songs zu schreiben.

Calum Scott

Aus dem scheuen Kandidaten bei “Britain’s Got Talent“ ist nunmehr ein ernstzunehmender Musiker geworden, der voller Selbstvertrauen mit beiden Beinen im Leben steht. Über seine Musik hat Calum Scott einen Weg gefunden, mit seiner Verletzlichkeit und den – so muss man es wohl nennen – Narben seiner Vergangenheit umzugehen. Er betont, dass er an dieser Aufgabe gewachsen sei und für sich die Messlatte immer höher lege, indem er sich frage, was genau er als Künstler ausdrücken wolle. Ohne die Bereitschaft, das Leben mit all seinen Facetten anzunehmen und auszukosten, sei authentisches Songwriting schwierig bis unmöglich, stellt Scott voller innerer Überzeugung fest.

Ich bin selbstbewusster geworden und glaube fest an mich als Künstler!

Calum Scott

Gegenüber seinem Debütalbum von 2018 “Only Human“ hat der von künstlerischer Energie beflügelte Sänger mit seinem Songwriter- und Produzententeam, zu dem unter anderem Daniel O‘Donoghue von The Script und der Waliser Jon “Mags“ Maguire gehören, versucht Musik und Instrumentierung weiterzuentwickeln. Das ist hörbar gelungen. Wenn Streicher die Melodiebögen von “The Way You Loved Me“ in emotionale Höhen schrauben oder fette Drums im Einklang mit dem Klavier “Rise“ einen kräftigen Puls verpassen, dann ist Gänsehaut vorprogrammiert.

Dieses Album ist nicht so reibungslos entstanden, wie man vielleicht vermuten möchte, aber diese Herausforderungen, die wir annehmen mussten, haben uns meiner Meinung nach vorangebracht.

Calum Scott

Ein Großteil des Songwritings für “Bridges“ ist bereits 2019 über die Bühne gegangen. Dann schlug die Pandemie zu und Calum Scott fiel in ein Motivationsloch. Der sich im Bereich psychische Gesundheit engagierende Musiker litt sehr unter der Isolation bei sich zu Hause in Yorkshire. Aber im gegenseitigen Austausch über Videokonferenzen und im Bewusstsein, plötzlich die Zeit zu haben, um die zuvor entstandenen Songs einmal genau anzuschauen, konnte sich Scotts Leidenschaft für seine Musik wieder entzünden. So entstand in Gemeinschaftsarbeit unter anderem mit James Bay zunächst die zu Herzen gehende Ballade “Biblical“, die Calum Scott dann wiederum zum kraftvollen “Rise“ inspirierte. Danach konnte es dann für die Aufnahmen in die legendären Londoner Abbey Road Studios gehen. Seine Demos schickt Calum Scott übrigens zuerst seiner Mutter, bevor sie ans Label gehen.   

Ich bin fest davon überzeugt, als absolut reale Person, absolut echte Songs für richtige Menschen zu singen.

Calum Scott

Definitiv habe die Pandemie ihn als Mensch und Künstler verändert, gibt Calum Scott zu. Das Bewusstsein, diese herausfordernde Zeit überwunden zu haben, hat aber dazu geführt, dass er sich stärker als je zuvor fühlt. Als melancholische Persönlichkeit – so seine Selbsteinschätzung - verbindet er in seiner Musik tiefgehende Gefühle mit einem neu erworbenen Bewusstsein von Widerstandsfähigkeit und Stärke. Und wenn es überhaupt eine Botschaft seines aktuellen Albums gebe, stellt Scott Klar, dann sei es diese: „Es ist egal, wer man ist und woher man kommt!“ All die bewegenden Dinge, von den Calum Scott in seinen neuen Songs spricht, versucht er so real und aufrichtig wie möglich zu halten. Die Rückmeldungen seiner Fans bestätigen ihn dann auch in seiner Überzeugung, echte Songs für echte Menschen zu singen.   

Im Grunde genommen geht es immer darum, den bestmöglichen Song abzuliefern.

Calum Scott

Das, was Calum Scott sich schon beim Startschuss seiner Karriere mit einer Balladenversion von “Dancing On My Own“ der schwedischen Sängerin Robyn zu eigen gemacht hat, bestimmt auch den Herzschlag seines aktuellen Albums “Bridges“: immer den bestmöglichen Song abzuliefern. Der Engländer mit der Goldkehle verfolgt ein klares Ziel und möchte weiterhin die Musik schreiben, mit der er bereits auf seinem Debütalbum viele Menschen hat ansprechen können. Das allerdings noch ausgefeilter als beim ersten Mal. Er sei gespannt, ob die Leute diese Veränderungen hören werden, gesteht Calum Scott. Was das betrifft, kann er ganz gelassen sein.  

Calum Scott ”Bridges”
UMI/ Capitol Records
EAN: 0602438613304
VÖ: 17. Juni 2022

Die Songs

TitelDauer
Biblical3:50
If You Ever Change Your Mind 3:26
Run With Me 3:21
The Way You Loved Me 3:13
Flaws 3:28
Heaven 3:14
Rise 3:37
Last Tears 2:45
Half A Man 3:25
Goodbye, Again 3:01
I'll Be There 3:46
Cross Your Mind 3:33
Boys In The Street 3:57
Bridges 3:21

Das Gewinnspiel endet am 8. Juli 2022.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 4. Juli 2022, 14:40 Uhr