The Rolling Stones ”Hackney Diamonds” Die Rolling Stones haben es immer noch drauf – absolut!

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Knallharte, kristallklar geschliffene und satt funkelnde Rock-Diamanten haben die Rolling Stones mit ”Hackney Diamonds” aus ihrer reichen Musik-Mine geschürft.

Albumcover Hackney Diamonds - Rolling Stones
Bild: Polydor (Universal Music)

Gewinnen Sie das Album ”Hackney Diamonds” von The Rolling Stones.

Albumcover Hackney Diamonds - Rolling Stones

So klingt ”Hackney Diamonds” von The Rolling Stones

So klingt ”Hackney Diamonds” von The Rolling Stones.

Bild: Polydor (Universal Music)

Es war eine dieser Nachrichten, welche die Popwelt in ihren Grundfesten erschüttern können: Die Rolling Stones veröffentlichen nach 18 Jahren wieder ein Studioalbum mit neuen Songs! Diesbezügliche Gerüchte waberten schon seit geraumer Zeit durch die Welt, doch erste Rauchzeichen gab es durch die kryptische Anzeige eines vermeintlichen Glasreparatur-Betriebs in der kleinen Londoner Lokalzeitung ”Hackney Gazette” am 23.08.2023: ”Our friendly team promises you satisfaction. When you say gimme shelter we’ll fix your shattered windows.” Stones-Fans konnten natürlich die Botschaft zwischen den Zeilen lesen, sie erkannten im ”Est. 1962” das Gründungsjahr der Band ebenso wie das Zungen-Logo in der Anzeigenüberschrift. Damit war der Countdown bis zur Albumveröffentlichung am 20. Oktober eröffnet.

The Rolling Stones
Bild: Universal Music | Mark Seliger

Wir haben den Albumtitel “Hackney Diamonds“ ausgewählt, als wir dabei waren, mit unseren Ideen für Albumtitel um uns zu werfen. So etwas wie “Hit And Run“ oder “Smash And Grab“. Und irgendwo mittendrin sind wir dann auf “Hackney Diamonds“ gekommen.

Keith Richards

Knackig wie die neuen Songs sollte der Albumtitel “Hackney Diamonds“ offensichtlich klingen. Sie hätten diesen als Variation der anderen angedachten Titel empfunden, erinnert Keith Richards sich. Darüber hinaus spielt der Name des Albums aber auch auf eine Eigenart des ehedem von Armut, Kriminalität und Drogen geprägten Londoner Stadtteils Hackney an: Immer wenn es dort zur Sache ging, waren die Straßen von Glasscherben, den sogenannten “Hackney Diamonds“, übersät. Heute ist Hackney ein hippes, angesagtes Viertel, das nun durch den Titel des vielleicht letzten Stones-Albums seinen Ritterschlag erhalten hat. Dass die Rolling Stones noch einiges im Köcher hatten, konnte man übrigens schon im April 2020 ahnen. Damals veröffentlichten die vier Rock-Veteranen mit ihrer Single “Living In A Ghost Town“ nach acht Jahren Pause ihren ersten neuen Song.

Eine Menge Ideen gingen uns im Kopf herum und wir haben sie im vergangenen Jahr alle noch vor Weihnachten gesammelt.

Ron Wood

Um die in ihren Köpfen herumspukenden Songideen und das bereits Geschriebene in die Spur zu bringen, setzten Jagger, Richards und Wood sich eine Deadline. Spätestens an Weihnachten 2022 sollten die Aufnahmen beginnen und spätestens am Valentinstag 2023 abgemischt sein. Das hat funktioniert, denn schnell waren 23 Tracks eingespielt. Es habe aber eines Tritts in den Hintern seitens ihres Produzenten Andrew Watt bedurft, so Jagger, um das, was sie in Jamaica und New York begonnen hätten, schließlich in Los Angeles und auf den Bahamas zu Ende zu bringen. Der 2021 mit einem Grammy in der Kategorie “Producer Of The Year, Non-Classical“ ausgezeichnete Watt sei ein großer Fan der Rolling Stones, schwärmt Mick Jagger, und kenne alle ihre Songs in- und auswendig. Auf diese Weise habe Andrew Watt sich auch den Respekt von Keith Richards und Ron Wood verdient. Wer alle Gitarren- und Bass-Licks der Stones spielen könne, auf den würde man dann auch im Studio hören.

The Rolling Stones
Bild: Universal Music | Mark Seliger

Wir wollten die Tracks etwas vielseitiger gestalten, also ein paar Lovesongs, Balladen, ein bisschen Country mit dabeihaben. Wir haben jetzt also eine Mischung zusammen.

Mick Jagger

Anders als ihr letztes Album, die im Dezember 2016 veröffentlichte Blues-Cover-Sammlung “Blue & Lonesome“, ist “Hackney Diamonds“ über weite Strecken ein kompromissloses Rock-Album. Auch in den wenigen verhalteneren Songs wie “Depending On You“ oder dem zwischen Hawaii-Feeling und Blues changierenden “Dreamy Skies“ glüht nach wie vor das vulkanische Feuer der Stones. Es ist schon Tradition, dass auch Keith Richards einmal den Leadgesang übernimmt. Hier heißt der entsprechende Song “Tell Me Straight“. Vielseitig haben sie sein wollen, stellt der agile Frontmann Mick Jagger klar. Dazu haben auch die illustren Gäste beigetragen, die sich zwischen den “Hackney Diamonds“ tummeln. Da gibt Elton John den Honky-Tonk-Piano-Man bei “Live By The Sword“ und den Bass spielt dazu - nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder dabei - das mittlerweile 86-jährige ehemalige Stones-Mitglied Bill Wyman. Im bluesigen “Sweet Sounds Of Heaven“ haben Lady Gaga und Stevie Wonder ihren Auftritt. Den Vogel abgeschossen hat jedoch Paul McCartney, der im brettharten “Bite My Head Off“ vollkommen entfesselt seinen Bass traktiert. Im Vergleich dazu wirkt “Helter Skelter“ wie ein Sonntagsfrühstück. So habe er McCartney noch nie gehört, zieht Jagger bewundernd den Hut.

Seit Charlie gegangen ist, ist alles anders, weil er ja die Nummer vier von uns ist. Natürlich wird er unglaublich vermisst, seit er da oben ist.

Keith Richards


Doch einer fehlt: Mit “Hackney Diamonds“ ist nun das erste Stones-Album ohne durchgehende Beteiligung von Charlie Watts erschienen. Über eine Zeitspanne von fast 60 Jahren hat dieser Grandseigneur am Drumset den Sound der Rolling Stones rhythmisch geprägt. Jedoch bei zweien der zwölf neuen Stones-Songs, nämlich “Mess It Up“ und “Live By The Sword“, trommelt Watts in bewährter Manier. Sein Nachfolger Steve Jordan spielt ebenso souverän, sein Sound ist aber etwas fetter, mit etwas weniger federndem Beat als bei Watts. Aber das sind wirklich nur Nuancen, denn Stones-Urgestein Charlie Watts hatte seinen Bandkollegen gesagt, wenn ihm einmal etwas zustoßen sollte, dann sei Steve Jordan ihr Mann. Dieser musikalisch breit aufgestellte 66-Jährige ist für die Rolling Stones kein Unbekannter gewesen. Schon 1986 hatte er an ihrem Album “Dirty Work“ mitgewirkt und wurde Teil von Keith Richards Band “The X-Pensive Winos“. 2021 ersetzte Jordan den am 24. August jenes Jahres verstorbenen Charlie Watts bei der “No Filter Tour“ der Rolling Stones. Und jetzt ist Steve Jordan mit Charlies Segen, wie “The Human Riff“ Richards es ausdrückt, am Stones-Schlagzeug gesetzt und treibt die drei alten Herren weiterhin zu Höchstleistungen an.

Bei den Aufnahmen können die Kumpel zueinanderfinden und ohne Beeinträchtigung die Ideen kreisen lassen. Und wenn das funktioniert, ist es großartig!

Keith Richards

Die Arbeit im Studio habe ihnen allen großen Spaß gemacht, erzählt Keith Richards. Das sei neben ihren Live-Auftritten der andere „Heilige Gral“ ihres Musikerdaseins. Im Studio würden sie ihre Ideen kreisen lassen. Es sei eben ein großartiger Raum für eine Band, stellt der Meister knackiger Gitarrenriffs klar. Daran, wie ihre Fans auf ihre Musik reagieren werden, denken die Stones bei der Entstehung ihrer neuen Songs eher nicht. Man gehe ins Studio, um es sich selbst recht zu machen, und man spiele zuallererst für sich selbst, ist Mick Jagger überzeugt. Mittlerweile sind Jagger, Richards und Wood aber zu der Erkenntnis gelangt, dass, was ihnen selbst Spaß mache, den Leuten später dann ebenso gefallen werde. Das klingt nicht nur nach – das ist jahrzehntelange Musikererfahrung in Reinkultur!

The Rolling Stones
Bild: Universal Music | Mark Seliger

Ich muss zugeben, dass wir dieses Album nicht herausgebracht hätten, wenn wir nicht richtig Lust dazu gehabt hätten.

Mick Jagger

Woher sie ursprünglich gekommen sind, verbergen die Rolling Stones auch auf ihrem aktuellen Album nicht, welches sie ganz traditionell mit dem “Rolling Stone Blues“, ihrer Version des “Rollin‘ Stone“ von Muddy Waters, abschließen. Ob wir noch ein weiteres Album von ihnen erwarten können, bleibt offen. Keith Richards verweist vage auf die 23 eingespielten Titel, von denen ja schließlich nur zwölf auf “Hackney Diamonds“ gelangt seien. Was bleibt, ist die Tatsache, dass Mick Jagger, Keith Richards und Ron Wood den Schock über den Tod von Charlie Watts erst einmal überwunden und mit fast jungenhafter Freude am 6. September im ehrwürdigen Theater “Hackney Empire“ den Vorhang zu ihrem neuen Album gelüftet haben.

Was ebenfalls bleibt, ist eine ehrliche Stones-Platte, die auf schnörkellose Schlichtheit und Klarheit setzt, vibrierend von der Erfahrung aus zusammengerechnet achtzehn Rock-Jahrzehnten. Die flugs erreichten Spitzenpositionen in den britischen und deutschen Albumcharts können somit auch Selbstläufer genannt werden. Im Kern sind es jedoch beileibe keine Rock-Greise, die sich mit “Hackney Diamonds“ erneut den Herausforderungen ihres Metiers so lässig gestellt haben. Jagger, Richards und Wood sind mit allen Wassern gewaschene Best Ager, denen zuzuhören einfach Spaß macht. Wenn das Alter auf diese Weise abrockt – liebend gern!

The Rolling Stones ”Hackney Diamonds”
UMI/ Polydor Record
EAN: 0602458473216
VÖ: 20. Oktober 2023

Gewinnen Sie das Album ”Hackney Diamonds” von The Rolling Stones.

Das Gewinnspiel endet am 1. Dezember 2023 um 12 Uhr.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 27. November 2023, 14:40 Uhr

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Der Sonntagabend mit Britta Uphoff