Album der Woche Chris Stapleton – eine Stimme wie Feuer und Granit

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Gut, dass es Nashville gibt. Denn wieder einmal ist Chris Stapleton dort im Studio gewesen und hat sein intensives Album "Higher" mitgebracht.

Cover: Chris Stapleton, Higher, Mercury (Universal Music)
Bild: Mercury (Universal Music)

Gewinnen Sie das Album "Higher" von Chris Stapleton

Cover: Chris Stapleton, Higher, Mercury (Universal Music)

So klingt das Album "Higher" von Chris Stapleton

Gut, dass es Nashville gibt. Denn wieder einmal ist Chris Stapleton dort im Studio gewesen und hat sein intensives Album "Higher" mitgebracht.

Bild: Mercury (Universal Music)

Wenn Chris Stapleton seine Stimme erhebt, richten sich die Härchen auf den Unterarmen auf – und sein am 10. November erschienenes fünftes Studioalbum enthält etliche dieser Gänsehautmomente. Der US-amerikanische Country-Star hat sie wieder im berühmten RCA Studio A in Music-City Nashville eingefangen. 14 neue Songs hat Stapleton auf "Higher" versammelt und lässt seiner kraftvollen Stimme freien Lauf.

Im Laufe der Jahre haben viele Country-Musiker das eine oder andere in diesem Studio gemacht. Das beseelt solch einen Raum. Für mich fühlt es sich so an, als ob all das in diesen Wänden stecke.

Chris Stapleton

Das legendäre, 1964 gegründete RCA Studio A in Nashville ist 2014 vor dem Abriss bewahrt, restauriert und in den Zustand seiner Blütezeit in den 60er-Jahren zurückversetzt worden. Hier hatten schon die Country-Legenden Dolly Parton, Willie Nelson und Charley Pride Hits aufgenommen. Auch Elvis, The Beach Boys und B.B. King haben neben vielen anderen Stars dieses Aufnahmestudio besucht. Für Chris Stapleton ist Studio A ein magischer Raum, in welchem er sich geradezu vergraben kann auf der Suche nach dem Nachhall der hier entstandenen Hits. Das stecke alles in den Wänden dieses für ihn beseelten Studios, ist der mit acht Grammys und etlichen Academy of Country Music Awards ausgezeichnete Musiker überzeugt.  

Musiker Chris Stapleton mit Gitarre auf der Bühne
Bild: IMAGO | UPI Photo

Ich habe immer schon Musik gemacht, weil sie das Erste ist, was mir morgens beim Aufstehen durch den Kopf geht. Ich wache mit Musik in meinem Kopf auf und gehe nachts mit Musik in meinem Kopf ins Bett.

Chris Stapleton

Auf seinem aktuellen Album bleibt Chris Stapleton seinem Stil weitgehend treu. Er setzt ganz auf seine unverkennbare Stimme, die – auch wenn sie sanft klingen möchte – unterschwellig brodelt und kocht. Dazu kommt dann noch ihre granitene Härte, die aber weit entfernt ist von aggressiver Schärfe. Den Titelsong "Higher” kostet der am 15. April 1978 in Lexington, Kentucky geborene Songwriter aus, bis dessen Intensität diejenige einer bis zum Zerreißen gespannten Saite erreicht hat. Das alles geschieht mit einer aufs Wesentliche beschränkten Instrumentenbesetzung. Diese Klangästhetik ist einerseits sicherlich der Atmosphäre im Studio A geschuldet. Andererseits ist Stapleton bekennder Fan von John Fogerty und Creedence Clearwater Revival. Die vier Kalifornier haben schließlich vorgemacht, was man aus einer überschaubaren Bandbesetzung und reduziertem Sound alles herausholen kann. Bei Chris Stapleton geht dieses Eindampfen auf den bloßen Kern eines Songs so weit, dass in seinem Albumabschluss ”Mountains Of My Mind” nur noch eine Akustikgitarre mit ihrem in Endlosschleife wiederholten Motiv und seine vibrierende Stimme bleiben. Stapleton, dieser Gesangsgigant mit Vollbart und Cowboyhut, ist in positivem Sinn ein Musikbesessener, der morgens mit Musik im Kopf aufwacht und nachts mit Musik in den Hirnwindungen wieder schlafen geht.

Selbst wenn niemand anderes da ist, muss ich einfach spielen - solange, bis ich meine Finger nicht mehr spüren kann. Und genau deshalb mache ich Musik, weil sie für mich im Grunde genommen genauso wichtig wie das Atmen ist.

Chris Stapleton
Musiker Chris Stapleton mit Gitarre auf der Bühne
Bild: IMAGO | ZUMA Press

Die Musik Chris Stapletons erschließt sich einem spontan, das war bisher bei all seinen fünf Alben so. Das liegt an ihrer Klarheit, an ihrer aufrichtigen Schlichtheit und natürlich daran, dass bei diesem Musiker wirklich alles auf den Punkt genau sitzt. Um es mit einer umgedrehten Redensart zu sagen: Bei Chris Stapleton ist alles mehr Sein als Schein. Schließlich braucht er die Musik wie die Luft zum Atmen. So erreichte er bereits mit seinem Debütalbum "Traveller" vom Mai 2015 die Spitzenplätze der Billboard 200 und der Country-Alben-Charts der USA. Stapleton verbindet federnden Country-Sound mit erdigem Bluesrock. Er kann seine Stimme wie in "What Am I Gonna Do" schwer und würzig klingen lassen. Er kann sie aber auch auf leichteren Klangwellen dahinsegeln lassen wie im flirrenden "Trust". Mit seinem Gesang rührt Chris Stapleton sogar hartgesottene Football-Profis zu Tränen – so geschehen beim diesjährigen Super Bowl, wo er die US-Nationalhymne vortrug. Dieser Auftritt habe ihm ein Maximum an Lampenfieber beschert, aber er habe sich auf den Vortrag der Hymne intensiver als auf jeden anderen Fernsehauftritt vorbeireitet, erinnert der Sänger sich.

Die erste Person, für die ich einen Song spiele, ist immer meine Frau.

Chris Stapleton

Eine große Rolle spielt auch Stapletons Frau Morgane in seiner Musik. Die beiden hatten sich als junge Songwriter kennengelernt  und sind mittlerweile Eltern von fünf Kindern. Im Grunde genommen seien alle seine Songs zuallererst an Morgane gerichtet, gibt der Songwriter zu. Sie steht mit ihm zusammen für ausgedehnten Background-Gesang im Studio und hat das Album koproduziert. Am kernigen Bluesrocktitel "White Horse" lässt sich ablesen, wie die beiden miteinander agieren. Chris Stapleton erinnert sich, dass Morgane diesen Song nicht unbedingt als sonderlich romantisch empfunden habe, denn darin laufe ja ein Mann ein bisschen vor seiner Frau davon. Aber im Lauf der Zeit habe er weiter daran gefeilt und schließlich hätten sie beide dann beschlossen, diesem Song im Studio eine Chance zu geben. Und plötzlich war der Track aufgenommen. Alles saß an der richtigen Stelle – und Morgane hatte ihre Meinung "White Horse" betreffend geändert.

Ich betrachte meine Songs nicht individuell, sie sind Teil von etwas Größerem. Und dieser Teil ist hoffentlich das Beste, was ich musikalisch anbieten kann – als Instrumentalist, als Sänger und als Songwriter.

Chris Stapleton
Musiker Chris Stapleton mit Gitarre auf der Bühne
Bild: IMAGO | ZUMA Wire

Für den klaren, unverfälschten Sound von "Higher", dieser First-Class-Studie musikalischer Intensität, sorgt auch Dave Cobb, der von Beginn an mit Chris Stapleton zusammengearbeitet hat und das Studio A kennt wie seine Westentasche. Der mehrfache Grammy-Preisträger Cobb stellt zuallererst die Singstimme ins Rampenlicht und ist damit der geniale Produktionspartner für jemanden wie Stapleton. Denn der braucht seine Stimme so gar nicht hinter auch nur dem kleinsten aller Produzententricks zu verstecken. Im traditionell anmutenden Country-Song "Weight Of Your World" zieht Chris Stapleton dann auch schon mal die vokalen Samthandschuhe über oder aber er übergießt seinen Gesangspart mit einer gezügelten Lavaglut wie in "The Day I Die". In jedem Fall ist das große Kunst, die auf diesem Album auch eine Zeitreise ist. Denn den Titelsong "Higher" hatte Stapleton bereits vor mehr als 20 Jahren geschrieben. Damals versuchte er als junger Songwriter in Nashville Fuß zu fassen und "Higher" war Teil seiner ersten Demo-Session überhaupt. Er habe diesen Song ganz allein für sich geschrieben, erzählt er, und seitdem habe der irgendwo herumgelegen. Nun ist "Higher" sogar Titelsong des neuen Stapleton-Albums geworden, was für die Songwriter-Qualitäten des damals etwas über 20-Jährigen spricht. Und so ist auch "Higher" Teil von etwas Größerem geworden, wie Chris Stapleton es ausdrückt, vom Besten, was er als Musiker anzubieten habe.

Ich mache das nicht um des Ruhmes willen, dem habe ich niemals hinterherrennen wollen. Ich mache das hauptsächlich wegen der Musik – und weil es Spaß macht!

Chris Stapleton

In seiner US-amerikanischen Heimat ist Chris Stapleton ein Star. Von einem jungen Musiker, der zunächst alles versucht hat, um so zu klingen wie die Country-Legende Vince Gill, konnte er sich zu einem selbstbewussten, aber nach wie vor bescheidenen Hochkaräter entwickeln, der im November wieder einmal mit dem CMA Award als "Male Vocalist Of The Year" ausgezeichnet worden ist. Er mache seine Musik nicht um des Ruhmes willen, stellt Stapleton klar, dem habe er niemals hinterherrennen wollen. Nachdem er als Künstler seinen Weg gefunden habe, mache er alles nur wegen der Musik – und weil es ihm Spaß bringt. Das klingt doch nach der besten aller Begründungen. Und wie schön ist es doch zu wissen, dass unter Feuer und Granit eine ausgeglichene Musikerseele zu wohnen scheint.

Chris Stapleton "Higher"
UMI / Mercury Nashville
EAN: 0602458277241
VÖ: 10.11.2023

Gewinnen Sie das Album "Higher" von Chris Stapleton

Das Gewinnspiel endet am 22. Dezember 2023 um 12 Uhr.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 18. Dezember 2023, 14:40 Uhr

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