Album der Woche Pat Burgener und seine Musik stecken voller Adrenalin

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Er ist 28 Jahre alt, Schweizer Profisnowboarder und Musiker. Jetzt hat Pat Burgener gekonnt ein Debütalbum hingelegt – so frisch wie der Schnee in der Halfpipe.

Cover: Pat Burgener - ”PAT The Album”, Irascible Music
Bild: Irascible Music

Der am 1. Juni 1994 in Lausanne geborene Extremsportler Patrick Burgener steht seit Kindesbeinen auf dem Snowboard und ist seit der Saison 2011 im Team der Schweizer Nationalmannschaft. Der zweifache Olympiateilnehmer kann Dutzende Top-Ten-Platzierungen vorweisen und hat bei Europa- und Weltmeisterschaften schon dreimal auf dem Podest gestanden. Auf dem Snowboard unterwegs ist Burgener bereits, seit er fünf war, und wenn es ihn in die Sonne zieht, dann steht er auf dem Surfbrett. Dieser Jack Johnson vom Genfersee ist aber nicht nur auf dem Snowboard weit vorn, sondern er brennt ebenso für seine zweite Leidenschaft: die Musik. Am 24. März 2023 nun hat er sein Debütalbum mit dem schlichten Titel "Pat The Album" auf die Piste gebracht. Während seines Gesprächs mit Bremen Eins allerdings war Pat Burgener mit dem Auto im Dschungel von Costa Rica unterwegs – eine im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrene Situation.

Der Musiker Pat Burgener steht mit Gitarre und T-Shirt in den Schweizer Alpen

So klingt Pat Burgeners "Pat The Album"

Er ist 28 Jahre alt, Schweizer Profisnowboarder und Musiker. Jetzt hat Pat Burgener gekonnt ein Debütalbum hingelegt – so frisch wie der Schnee in der Halfpipe.

Bild: Wabs

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Nach der Snowboardkarriere muss ich unbedingt Rockstar sein!

Pat Burgener

Der Schweizer mit dem strahlenden Lächeln sprüht auf geradezu ansteckende Weise vor Energie. Er sei schon immer "krass hyperaktiv" gewesen, gesteht er Bremen Eins, und suche den Adrenalinkick, egal, ob auf dem Snowboard oder auf der Bühne. Aber in Burgeners optimistischer Persönlichkeit gibt es auch Fenster, die sich für nachdenkliche Töne öffnen. Dennoch sind die elf Songs seines Debütalbums zum großen Teil ein vergnüglicher Ritt auf positiven musikalischen Vibes. Das passt, denn schon nach seinem ersten offiziellen Auftritt hatte Pat Burgener sich sein nächstes Ziel gesetzt: unbedingt Rockstar zu sein!

Pat Burgener mit Sonnenbrille und Gitarre sitzt auf einer Holzbank vor einem Panoramafenster
Immer auf der Suche nach Adrenalin: Musiker Pat Burgener. Bild: Wabs

Gitarre spielen ist eigentlich etwas Cooles und ich könnte megagut spielen, weil ich die klassische Schule gemacht habe.

Pat Burgener

Das Snowboardfahren ist für Pat Burgener von Beginn an eine Flucht aus dem Alltag gewesen. Die Schule jedenfalls habe er nicht gemocht, gibt er zu. Er habe unbedingt anders sein wollen als der Mainstream und habe seinen eigenen Weg gehen wollen. Das scheint Burgener zu gelingen, trotz einer Verletzung, die er sich im Alter von 19 Jahren zuzog. Denn die hat ihn nicht nachhaltig aus der Bahn geworfen, sondern ihm sogar den Weg zur Profikarriere als Musiker geebnet. Mit 16 war er zwar mit seiner Gitarre schon auf Open-Mic-Veranstaltungen unterwegs, verschwendete aber keinen Gedanken an eine professionelle Musikerlaufbahn. Das änderte sich schlagartig während seiner Verletzungspause, als sein Bruder ihn für ein Musikprojekt als Sänger rekrutierte. Die emotionale Welle, die Burgener plötzlich auf der Bühne umspülte, ähnelte der beim Extremsport so sehr, dass er beschloss, als Musiker weiterzumachen. Das Rüstzeug dazu hat er seinen Eltern zu verdanken, die ihre drei Söhne neben dem obligatorischen Sport auch ein Instrument erlernen ließen. Als Kind war Pat Burgener gar nicht begeistert von der Gitarre. Als er dann aber mit zehn Jahren seine Karriere als Snowboarder begann, traf er bei den Wettkämpfen rund um den Globus andere Athleten, die ihre Gitarre dabeihatten. Plötzlich war die klassische Gitarrenschule, die Burgener, dieser eher unangepasste Typ, durchlaufen musste, doch ziemlich nützlich und sein Instrument mutierte zu etwas Coolem.

Die Verlinkung mit Musik und Sport – das ist megakrass!

Pat Burgener

Von der emotionalen und der adrenalingesättigten Seite liegen Sport und Musik für den Schweizer Tausendsassa gleichauf. Das, was für ihn den Sport ausmacht – Kreativität, harte Arbeit, Können durch stete Wiederholung – findet er auf gleiche Weise in der Musik. Die Livebühne verschafft Pat Burgener auch denselben Adrenalinschub, den ihm etwa die Teilnahme an den Olympischen Spielen beschert hat. Der einzige große Unterschied innerhalb dieser für ihn so erstaunlichen Verbundenheit von Musik und Sport liege darin, erklärt Burgener lachend, dass man sich bei der Musik, anders als beim Extremsport, nicht verletzen kann.

Bei vielem von meiner Musik geht es um Mental Health.

Pat Burgener
Der Musiker Pat Burgener steht mit Gitarre und T-Shirt in den Schweizer Alpen
Bild: Wabs

In seinen Musikvideos inszeniert sich Pat Burgener als stets bestens gelaunter Lebenskünstler, der den – natürlich sonnigen – Tag so nimmt, wie er kommt, und alles Störende locker mit seiner Gitarre oder der Trompete wegspielt. Dabei mutet er sich in Wirklichkeit ein sportlich wie musikalisch extrem hohes Pensum zu. Im vergangenen Jahr pendelte er zwischen der Schweiz und London, wo er im Studio seines Bruders sein Album aufnahm, füllte die verbliebenen Lücken zwischen Training und Auftritten mit Fun-Sport, um sich dann für ein paar Stunden zum Schlafen in seinen Van zurückzuziehen. Um bei alldem nicht die Balance zu verlieren, hat sich dieser gut gelaunte Hansdampf in allen Gassen intensiv mit Mental Health befasst. Darum soll es auch in seinen Songs gehen, um dieses "lasst es uns anpacken", wenn es einmal nicht gut läuft. Genau diese Einstellung hat ihm selbst nach seinen Verletzungen geholfen und ihn seine gute Stimmung wiederfinden lassen. Denn jeder, der sich auf die Halfpipe einlasse, setze sich einem hohen Verletzungsrisiko aus und habe Ängste zu bewältigen, gibt Burgener zu bedenken.

Ich spüre, dass die Leute so stark im Moment leben mit meiner Musik.

Pat Burgener

Mit seinem pulsierenden, leicht folkigen Pop vermag der musizierende Extremsportler alle Bewegungsnerven zu reizen. Stillsitzen ist kaum möglich, wenn man der Gute-Laune-Single "Work It Out" zuhört, und der alles mitreißende Schwung der aktuellen Single-Auskopplung "Days Like These" kann jegliche Lethargie binnen Sekunden wegblasen. Von einem Moment auf den anderen wird Pat Burgener dann aber ernst und erzählt von den für ihn wichtigsten Songs seines Albums: "Rolling Backwards" und "Mother Home". Diese unterscheiden sich auch vom Sound her deutlich von seinem Sonnenschein-Pop und sind entstanden unter dem Eindruck seines Einsatzes für heimatvertriebene Kinder im Libanon, die er über einen Zeitraum von drei Jahren mehrmals besucht hat. Das sind für den Sportler-Musiker aus dem Kanton Waadt auf ganz andere Weise emotional aufwühlende, tiefgreifende Erlebnisse gewesen, die er in seiner Musik verarbeitet hat und die ihn prägen. Unterm Strich aber zählt für Burgener einzig der Moment, in dem er spürt, wie sehr sein Publikum seine Songs lebt.   

Pat Burgener steht mit einer Gitarre vor einer Treppe
Bild: Wabs

Mein Sound ist genau für solche Momente gemacht, wenn du am Reisen bist irgendwo in den Dschungel oder ans Meer.

Pat Burgener

Es ist verführerisch, Pat Burgener als Gute-Laune-Papst zu verbuchen. Aber das würde ihm nicht ganz gerecht. Seine Songs begreift er vielmehr als persönliche Statements zu allen Arten von Beziehungen, seien es zwischenmenschliche oder solche zu persönlichen Zielen oder zu Tieren. Für Burgener ist das alles miteinander verbunden. Und wenn er denen, die sich seine Songs anhören, vermitteln kann, dass nicht immer alles automatisch schön ist und das selbstverständlich auch für ihn selbst gilt, dann hat er sein Ziel einer emotionalen Verbindung erreicht. Aber, auch das muss gesagt werden, den Schalter auf "Genieße dein Leben jetzt!" umzulegen, fällt dem hyperaktiven Lebenskünstler leicht. So verkündet er aus der costa-ricanischen Wildnis heraus, dass seine Musik genau für solche sonnigen Momente auf Reisen in den Dschungel oder ans Meer gemacht sei, in denen sich das Leben federleicht anfühlt. Es sei schwer, den Sound seines "Good Vibes-Indie-Pop" nicht zu mögen, ist Burgener sich ziemlich sicher.

Das Adrenalin, das du bekommst, wenn du auf der Bühne stehst, entweder mit dem Snowboard oder mit Musik, es ist unglaublich!

Pat Burgener

"Dieser Mann ist kaum zu bremsen!", möchte man sagen. Egal, ob Pat Burgener in der Halfpipe mit seinem Snowboard in ausgelassenen Drehungen durch die Luft wirbelt oder ob er der Veröffentlichung seiner Songs entgegenfiebert. Und so hat er bereits am 18. November 2022 eine "First Wave" seines Debütalbums herausgebracht. Denn erstens war das komplette Album wegen seiner Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Peking noch nicht fertig, zweitens war Burgener davon überzeugt, dass die Leute sich dann auf noch mehr Musik von ihm freuen würden. Dieser charmante Entertainer ist also auch ein geschickter Selbstvermarkter, der sein Publikum subtil anzufüttern weiß. Ein komplettes Album auf die Beine zu stellen und Songs dazu während seiner Olympiateilnahme zu schreiben, sei schon eine Herausforderung gewesen, gibt Burgener zu. Aber, wenn er Rückmeldung über seine Social-Media-Accounts bekäme und sehe, wie die Leute seine Musik in ihren Videos zum Leben brächten – das sei für ihn "krass, emotional und wichtig". Der Motor Pat Burgeners, der läuft mit Adrenalin – auf dem Snowboard und auf der Bühne. Von diesen Adrenalinschüben ist ganz viel auf "Pat The Album" zu spüren. Und das fühlt sich gut an, denn schließlich ist Pat doch ein "krass" sympathischer Typ – oder etwa nicht?

Pat Burgener "PAT The Album"
ROLA Records/Oversey Records
EAN: 9705361149740
VÖ: 24.03.2023

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 27. März 2023, 14:40 Uhr

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