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Der Nachmittag mit Sabine Szimanski

Der Parzellist Ode an den Wunderwurm

Der Parzellist Jens Schellhass trägt einen Strohhut und hält eine Mistgabel und eine Schaufel
Gutes Werkzeug, schlechtes Werkzeug: Wer dem Regenwurm nicht schaden möchte, der sollte fortan auf den Spaten verzichten und die Arbeit besser mit der Grabegabel fortsetzen.

Ode an den Wunderwurm

Unser Parzellist und sein Wunder-Wurm: Der Regenwurm düngt seinen Garten, lockert den Boden und minimiert das Risiko von Überschwemmungen.

Bild: Radio Bremen | Jens Schellhass

Informationen zum Audio

Unser Parzellist ist einem Wunder-Wurm auf die Spur gekommen: Der Regenwurm düngt seinen Garten, lockert den Boden und minimiert das Risiko von Überschwemmungen.

In einem gesunden Boden leben bis zu 450 Regenwürmer pro Quadratmeter, und diese Tiere verbringen wahre Wunder. Innerhalb eines Jahres scheiden sie etwa 50 Kilogramm Kot aus (pro Quadratmeter!!), und das ist feinster Dünger für Blumen und Gemüse. Mehr noch: Die Tiere durchlüften und lockern den Boden so intensiv, dass Hacken und Grubbern von Menschenhand völlig überflüssig wird. Seine sichtbar beste Tat vollbringt er bei Starkregen: Sein unterirdisches Tunnelsystem nimmt bis zu 150 Liter Wasser pro Stunde und Quadratmeter auf.

Das Problem des Regenwurms: Schwere landwirtschaftliche Geräte, Kunstdünger, Gülle und Pestizide bedrohen ihn. Mehr als die Hälfte der in  Deutschland lebenden Arten sind selten oder sehr selten geworden. Die Folge: Der Boden nimmt kein Wasser mehr auf, wie ein verstopfter Gulli. Die Erde muss zusätzlich bearbeitet und gedüngt werden - ein Teufelskreis.

Wenigstens auf seinen 300 Quadratmetern Land will unser Parzellist dem Regenwurm nun eine Hilfe sein. Und es ist überhaupt nicht schwer. Das Laub bleibt auf den Beeten liegen, auch die Reste vom abgeernteten Gemüse. Nachts, wenn der Regenwurm wach wird, zieht er sich die Blätter in seine Gänge, benetzt sie mit seinem vorverdauenden Speichel und "tapeziert" damit seine Gänge. Wenn wertvolle Bakterien das Grün zu guten Teilen zersetzt haben, kann es der zahnlose Regenwurm fressen, und dann als Dünger ausscheiden.

Nach der Ernte im Gemüsebeet hilft eine Gründüngung, um den Regenwurm zu versorgen. Und im Komposthaufen fühlt sich der Regenwurm natürlich pudelwohl. Haben Sie genügend von ihnen im Garten, brauchen Sie den Boden gar nicht mehr zu bearbeiten. Das erledigt alles der Regenwurm. Sollten Sie aber doch graben müssen, nutzen Sie künftig eine Grabegabel. Ein Spaten zerschneidet den Regenwurm, und das ist, trotz mancher gegenteiliger Meldungen, für ihn tödlich.

Übrigens: In trockenen, heißen Sommern zieht sich der Regenwurm bis zu sieben Meter unter die Erde zurück. Dort schläft er, bis Temperatur und Feuchtigkeit für ihn wieder angenehmer werden.