Die größten Alben aller Zeiten Verstörende Fantasien und komplexe Klänge von Genesis

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Genesis – das sind doch die Stadionrock-Legenden der 90er. In den 70er Jahren klang die Band allerdings noch ganz anders: Ihr Album "The lamb lies down on Broadway" gilt als Meisterwerk des Progressive-Rock. Es war das letzte Album mit Peter Gabriel. "Die größten Alben aller Zeiten" - Bernd Schleßelmann über "The lamb lies down on Broadway".

Album: Genesis: The Lamb Lies Down On Broadway, Virgin, 1974
Bild: Virgin
Album: Genesis: The Lamb Lies Down On Broadway, Virgin, 1974

Genesis - The lamb lies down on Broadway

Genesis – das sind doch die Stadionrock-Legenden der 90er. In den 70er Jahren klang die Band allerdings noch ganz anders.

Bild: Virgin

So erlebte Radio Bremen-Redakteur Reinhardt Bartusch "The Lamb lies down on Broadway" live

Oktober 1973: ich war 13. Mein erstes großes Live-Konzert: Rory Gallagher in der Bremer Stadthalle, Bluesrock vom Feinsten. Anderthalb Jahre später war dann alles anders: Inzwischen war Progressive-Rock das Ding. Ganz vorn Jethro Tull – etwas weiter hinten Yes, King Crimson, Van Der Graaf Generator. Und dann Genesis. Freunde hörten ganz viel "Selling England By The Pound" und ältere Alben. Das waren Fans – ich nicht so. Egal: Wann kommt schon mal so ´ne Band wie Genesis in dieses Dorf mit Straßenbahn?

Alle hofften, bei dem Konzert am 9. Mai 1975 auch mal einen bekannten Song der Band zu hören. Ich war mir jedenfalls nicht bewusst, dass Peter Gabriel und Co. das Doppelalbum in exakter Reihenfolge der Titel spielen würden – was bei einem Konzeptalbum ja auch eine gewisse Logik hat.

Viel war vorab die Rede von der Show. Hat mich eigentlich nie interessiert. Dennoch muss ich sagen: Was die Band da performt hat, war neu, bunt, pompös und – irgendwie auch verstörend. Gabriel zog sich alle Nase lang ein neues Kostüm an. Ich erinnere mich an etwas Grünes, irgendwie Außerirdisches, Dämonisches und eine mit Geschwüren übersäte Figur. Echt hässlich. Die Story des "Lamms" schien jedenfalls keine fröhliche zu sein.

Mit dem Text der Songs habe ich mich erst viel später befasst und ehrlich gesagt nur Fragmente verstanden. Musikalisch hängengeblieben ist nur der Refrain des ersten Songs "The Lamb Lies Down On Broadway", der am Schluss übrigens an "On Broadway" von den Drifters erinnert. Nach anderthalb Stunden war das Konzert vorbei. Spektakulär war’s ohne Zweifel, hinterließ aber auch ein Gefühl von "so what?". Drei Jahre später habe ich Peter Gabriel noch einmal in der Bremer Stadthalle gesehen. Solo als Support von Frank Zappa. Ich fand ihn fantastisch, das Publikum jedoch maulte und pfiff. Man wollte Frank und zwar sofort.

Gut zu wissen

"The Lamb Lies Down On Broadway" ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Album in der Genesis-Discographie. Es ist das einzige Doppelalbum und das einzige Konzeptalbum der Band. Auf der zugehörigen Tournee spielten Genesis 1974/75 das Album komplett – auch das machten sie vorher und nachher mit keiner anderen Platte. Außerdem gab Peter Gabriel hier seine Abschiedsvorstellung. Er stieg nach der Tour aus. Damit markiert "The Lamb Lies Down On Broadway" das Ende der klassischen Fünfer-Besetzung bei Genesis. Der Schlusspunkt einer Ära: Mit Phil Collins als Sänger rückte die Band in den nächsten Jahren vom Progressive-Rock ab, die Songs wurden melodischer und eingängiger.

Der "Rolling Stone" wählte das Album auf Platz neun der besten Progressive-Rock-Alben aller Zeiten. Das Vorgänger-Album "Selling England By The Pound" belegte Platz sechs. Spitzenreiter des Rankings wurde "The Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 28. September 2023, 11:40 Uhr

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Grüße und Musik mit Lutz Hanker

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