Der Parzellist Liebenswerte Lügnerin

Jens Schellhass
Unser Parzellist hat ein Auge auf die Blüte der Wilden Möhre geworfen. Sie ist eine zauberhafte Lügnerin. Mit dem schwarzen Punkt in ihrer Mitte täuscht sie ein Insekt vor.

Liebenswerte Lügnerin

Es gibt Pflanzen, die lügen. Und das tun sie ganz bewusst. Unser Parzellist ist völlig vernarrt in sie!

Bild: Radio Bremen | Jens Schellhass

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Die Wilde Möhre ist ein Filou. Sie ist die Urahnen unserer gängigen Kulturmöhre. Alles an ihr ist essbar – die Blätter, die Wurzel, die Blüten, die Samen. Und alles ist gesund.

Die Wilde Möhre ist ein Heilkraut, hilft bei Konzentrationsstörungen, Magenbeschwerden, Blähungen  und ist gleichzeitig Aphrodisiakum. Das wissen auch die Tiere. Vögel fressen sich an ihren Samen satt. Raupen, wie die des Schwalbenschwanzes, laben sich an ihren Blättern, und Wildbienen, Käfer und Fliegen fahren auf den Nektar ihrer weißen, doldigen Blüten ab.

Um  ihnen zu zeigen, wie attraktiv sie ist, haben sich die weiblichen Blüten mit einem schwarzen Punkt in ihrer Mitte schick gemacht. Damit täuscht das gewiefte Pflänzchen vor, das ein anderes Insekt bereits Interesse an ihr gefunden hat. Es ist also ein botanischer Marketing-Trick. Motto: Wo sich bereits ein Insekt niedergelassen hat, kann es für ein zweites nicht schlecht sein. Zauberhaft, oder?

Sie können die Wilde Möhre im eigenen Garten aussäen. Der richtige Zeitpunkt wäre jetzt im September oder das zeitige Frühjahr. Sie blüht dann erst im zweiten Jahr von Juni bis September, und bleibt in ihrem Wachstum meist unter einem Meter. An Boden und Umgebung stellt sie keine großen Ansprüche. Sie verträgt Trockenheit und Nässe - liebt allerdings einen sonnigen Standort. Alternativ lässt sich die hübsche Lügnerin  auf Wildblumenwiesen und an Wegrändern finden.

Aber Achtung: Die Wilde Möhre ist leicht mit einer der giftigsten Pflanzen in uns unseren Breiten zu verwechseln – dem Schierling. Mit dem Saft des Schierlings haben schon die alten Griechen den alten Griechen  Sokrates hingerichtet. Also Vorsicht!

Verwechslungen schließen Sie an dem zauberhaften, schwarzen Punkt in der Blüte aus. Allerdings werden nur die weiblichen Blüten von ihm geschmückt, und wenn die Wilde Möhre blüht, schmecken ihre Wurzeln nicht mehr. Eine anderer Hinweis ist ebenfalls eindeutig: Reiben Sie an ihren Blättern. Der Schierling riecht unangenehm nach Urin, also nach Ammoniak. Die Wilde Möhre dagegen riecht angenehm nach ihren Verwandten, der Kulturmöhre. Haben Sie die Pflanze eindeutig identifiziert schmecken ihre Wurzeln vor der Blüte roh und gekocht. Ich finde sie besonders lecker mit Käse überbacken.

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