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Der Abend mit Rudy Schönborn

Warum es das Samstagsabend-Gefühl nicht mehr gibt Thomas Gottschalk zum 100. Geburtstag von Hans-Joachim Kulenkampff

Autorin

Er war ohne Zweifel einer der ganz Großen und ein Sohn Bremens - der Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff. Heute wäre Kuli 100 Jahre alt geworden. Katharina Guleikoff hat mit einer anderern deutschen Fernsehlegende über das große Samstag-Abend-Gefühl und natürlich über Hans-Joachim Kulenkampff gesprochen.

Moderator Thomas Gottschalk mit Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff
Bild: DPA / Picture Alliance | Istvan Bajzat
Guleikoff: Moin Herr Gottschalk! Haben Sie noch mit Ihren Eltern auf der Couch gesessen und Kuli geschaut?
Gottschalk: Hallo, Guten Morgen! Ich war eines der Kinder, die tatsächlich ‘64 ‘65 in schwarz-weiß schon dabei waren als Kuli aufgetreten ist. Ich habe ihn in allerbester Erinnerung, stelle aber gerade mit einer gewissen Tragik fest, dass er das gleiche Geburtsjahr hat, wie meine Mutter - also auch 1921. Unglaublich, ich bin ja fast hundert.
Guleikoff: Sie haben ihn nicht nur im Fernsehen gesehen. Sie haben den Kuli auch mal besucht in seinem Haus in Österreich am Attersee. Wie war denn die Begegnung?
Gottschalk: Ja, ich hatte zwei denkwürdige Begegnungen. Erstens kam die “Hörzu” wohl damals auf die Idee, dass es doch lustig wäre, wenn Kuli seinen Nachfolger - und als der war ich ja designiert - persönlich treffen würde. Man hat ein Treffen in Basel arrangiert. Das weiß ich noch und ich habe mich wahnsinnig drauf gefreut und hab gedacht, der Kuli wird sich jetzt auch wahnsinnig freuen. Der hat sich aber erkennbar überhaupt nicht gefreut. Und ich habe mich auch nicht gefreut, als man mir nacheinander immer wieder meine Nachfolger vorgestellt hat, weil keiner sich freut, wenn man ihnen erklärt: "Das war es jetzt und hier ist dein Ersatz." Und Kuli war da ausgesprochen - ich will nicht sagen misslaunig - aber er hat mich immer als “Maxe” bezeichnet. Hat also überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen wollen, wie ich heiße. Und später, weil ich eben auf der gleichen Linie unterwegs war - ohne Kuli jemals interpretieren oder imitieren zu wollen - habe ich es als meine Pflicht angesehen, ihn zu ganz späten Zeiten am Attersee zu besuchen und das war für mich auch eine ganz faszinierende Erkenntnis. Ich habe immer gedacht: Kuli der ist im Fernsehen reich geworden, hat ein Haus am See und man hat ihn ja ein bisschen so als Seemann in Erinnerung mit seiner Prinz Heinrich Mütze - und dann lebte er doch in einem ziemlich dunklen Haus. Da hat es von den Decken getropft und er war bereits frustriert. Also er war in einer ähnlichen
Situation, an die ich versuche, mich heute ab und zu zu erinnern. Er hat nämlich gesagt: "Ich möchte jetzt gerne ein Geschichts-Quiz machen und kein Mensch will das und ich war in allen dritten Programmen unterwegs." Und dann lief er tatsächlich als frustrierter Bildungs-Bürger durch die Redaktionen der ARD und hat ein Geschichts-Quiz angeboten, dass er gerne moderiert hätte und keiner mehr wollte. Das ist dann ein gewisses Schicksal, und ich weiß, wovon er gesprochen hat.
Guleikoff: Es ist nicht immer leicht, dranzubleiben. Sie selber haben mal gesagt, Sie wollen auf der Sonnenseite bleiben, machen selber noch wahnsinnig viel Fernsehen. Aber: Empfinden Sie das auch so, dass dieses beschworene Samstagsabend-Gefühl - was Kuli und Sie erlebt haben - irgendwie nicht mehr da ist?
Gottschalk: Ja, das kann es nicht mehr geben. Du kriegtest damals einen Deckel über die ganze Nation, den es heute nicht mehr gibt. Da brauchst du 10 Deckel und die Nation hat was Besseres zu tun am Samstagabend oder sie haben ganz unterschiedliche Interessen. Es gibt auch nicht mehr die Figuren, die man da einladen konnte. Also zu meiner Zeit waren da Herren in dunklen Anzügen zu Gast und Kuli trug selber einen dunklen Anzug.

Aber er war einfach genial. Ich erinnere mich an ein Spiel, da habe ich zum ersten Mal Kuli als einen spontanen Moderator verehrt. Da ging es um ein Spiel, da sollten Schweine über einen Teppich laufen - was sie nicht getan haben - um in irgendeinem Ziel dann irgendwo anzukommen und diese Schweine haben sich geweigert. Dann hat Kuli den großen Satz gesagt: "Nun macht mal zu, in Deutschland sind schon größere Schweine über rote Teppiche gelaufen." Also das war aus dem Stand geboren und daran erinnere ich mich. Das war witzig, das war ironisch, könnte er heute nicht mehr so machen - wahrscheinlich - und er könnte vieles nicht mehr so machen. Ich erinnere mich, dass Kuli die ersten 10 Minuten seiner Sendung damit verbracht hat, irgendeine Assistentin zu komplimentieren, weil der Rock so kurz oder weil die Beine so schön waren. Also, das war so dieses Alt-Herren-Gehabe, was einfach nicht mehr ging. Kuli konnte aber in Anführungszeichen als "alter weißer Mann" noch Fernsehen machen, so wie er es gewohnt war und die Nation fand das prima. Die Zeiten sind auch vorbei. Also es ginge vieles nicht mehr, was bei Kuli noch ging.
Guleikoff: Kommen wir mal weg von Kuli, hin zu Ihnen. Sie machen ja nun noch Fernsehen. Was können Sie denn am Samstagabend noch machen? Oder was würden Sie lieber tun?
Gottschalk: Na gut, ich weiß, dass mit einer Unterhaltung, wie sie Kuli gemacht hat, nichts mehr zu erben wäre.

Die Zeiten haben sich geändert.
Heute klatsche ich Barbara Schöneberger aus 3 Metern Höhe irgendwelche Eis-Batzen aufs Kostüm und die Leute finden das lustig. Das ist eine andere Form von Fernsehen. Ich war mir aber nie zu schade, den Hanswurst zu machen. Also mit einem Geschichts-Quiz, wie es Kuli damals machen wollte, würde ich heute auch scheitern. Das braucht kein Mensch, aber Fernsehen ist schneller geworden. Fernsehen ist lauter geworden und ich muss eben heute damit leben. Wo früher Sophia Loren rein kam, kommt heute Motsi Mabuse rein. Und man muss sagen: "Auch super, dass Du da bist."
Guleikoff: Würden sie gerne noch mal diese riesen große Bühne haben? Diese Show, viele Gäste da, die man alle irgendwie sieht und erlebt?
Gottschalk: Ich habe deswegen keinen Groll, dass ich diese Bühne nicht mehr habe, weil es sie nicht gibt. Ich hätte wahrscheinlich ein Problem, wenn ich einen anderen sehen würde, der diese Bühne nun für sich beherrscht und bei dem 20 Millionen zuschauen, dann müsste ich sagen Kuli, Gottschalk und jetzt der Neue. Nur nach mir ist es abgebrochen, also ich hatte noch das gleiche Gefühl wie Kuli, andererseits auch schon nicht mehr so. Die hatten ja damals schon die Krise, wenn weniger als 30 Millionen zugeschaut haben. Bei mir waren es immer noch 20. Heute liegen die sich in den Armen, wenn 3 Millionen zugucken.
Guleikoff: Was ist Ihr Fernsehtipp für den Samstagabend?
Gottschalk: Ich bin gerade nicht dran, glaube ich. Insofern gibt es keinen Grund einzuschalten.

Hier das ganze Interview zum Nachhören:

Thomas Gottschalk zum 100. Geburtstag von Hans-Joachim Kuhlenkampff

Am 27. April 1921 ist Hans-Joachim Kulenkampff geborden. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden. Katharina Guleikoff hat mit einem anderen Showgiganten über ihn gesprochen.

Bild: Imago | Future Image / United Archives

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins Der Morgen, 27. April 2021, 07:40 Uhr