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Der Mittag mit Dirk Böhling

Welttag des Meeres Die größten Gefahren und was wir tun können

Autoren

Am 8. Juni ist Welttag des Meeres. Den gibt es seit 2009, nachdem die Vereinten Nationen ihn ausgerufen haben, um auf die Verschmutzung dieses einzigartigen Ökosystems aufmerksam zu machen. Wie die aktuelle Situation ist und wie es um die Meere und Ozeane steht, erzählt uns Meeresbiologin Dr. Antje Boetius, Direktorin unter anderem des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven.

Ein Korallenriff mit bunten Fischen und blauem Hintergrund
Bild: Imago | Panthermedia

Interview mit Dr. Antje Boetius zum "Welttag des Meeres"

Interview mit Dr. Antje Boetius

Audio vom 8. Juni 2021
Ein Korallenriff mit bunten Fischen und blauem Hintergrund
Bild: Imago | Panthermedia
Guleikoff: Wie sieht es denn aktuell aus mit den Weltmeeren? Was ist denn gerade die größte Bedrohung für unsere Meere?
Boetius: Also mittlerweile sind viele Expertinnen und Experten der Meinung, es ist der Klimawandel. Hitzewellen, die wir ja jetzt nun vom Land kennen, können ebenso auch im Meer stattfinden, weil das CO2 in der Atmosphäre dazu führt, dass der Ozean zunehmend versauert und Wärme und Versauerung führen zu absterbender Korallenriffe, was jetzt schon weltweit über die Hälfte der Korallenriffe betrifft. Und dann kommen noch viele andere Probleme: die Verschmutzung – das Problem Plastikmüll kennt inzwischen jeder. Natürlich auch immer noch der Druck der Fischerei – vor allem der der illegale Fischerei, aber auch zunehmend die Aquakultur, die die Küstenregionen verschmutzt. Es ist schon eine ganze lange Latte, aber der Klimawandel, der ist eben global und wenn wir schon von Schutzgebieten reden, was heute auch am Welt-Ozean-Tag wichtig ist, dann gibt es eben das Problem: Vor der globalen Erwärmung und der Versauerung kann man kaum schützen.
Krause: Mir hat mal jemand erzählt, dass diese Windkraftanlagen – also diese Offshore-Windparks – auch ein großes Problem seien, weil die so Lärm machen würden unter Wasser.
Boetius: Der Lärm in den Meeren, der wird zunehmend auch als Problem für viele Meeressäuger erkannt. Es ist so, dass da Forschung läuft. Und natürlich können Wale hören. Das wissen wir alle. Sie singen ja auch, also müssen sie auch hören können. Und wenn man auf ihren Hör- und Sprechfrequenzen Krach macht, dann stört das die Wale. Aber wenn wir Menschen immerhin Windenergie nutzen würden, anstatt fossile Brennstoffe, dann würden wir auch wieder eine erhebliche Erleichterung für alle Tiere des Meeres schaffen. Und genau diese Abwägung „Was kann man lokal machen?“ – da wird eine ganze Transformation draus. Das ist ein wichtiges Verhandlungsfeld. Also muss man schauen: Wie gibt man Walen Schutz auf der einen Seite – die sterben ja vor allen Dingen derzeit auch am Plastikmüll und weniger am Lärm. Und wie schaffen wir es eben, unsere Energiequellen völlig zu verändern, sodass die Meereslebewesen überhaupt eine gute Zukunft haben.
Guleikoff: Sie haben es ja angesprochen, die zahlreichen Probleme: Plastikmüll, der Lärm. Wir haben die Klimaerwärmung, also die immer wärmer werdenden Meere. Was glauben Sie denn? Wie viel Möglichkeit hat denn die Spezies Mensch noch dagegen anzugehen?
Boetius: Wir haben ja eigentlich noch jetzt in dieser Dekade die große Möglichkeit, mit den schon vielfältig, uns zur Verfügung stehenden Technologien, wenn wir nur wollen, die Sache noch einmal umzudrehen. Und zwar ist ja schon ausgerechnet, wie viel Platz für CO2 in unserer Atmosphäre ist, bevor eben der Ozean zu warm wird für viele Arten. Das kann man genau ausrechnen: Was haben wir Menschen jetzt noch an Platz in der Atmosphäre? Was müssen wir tun? Und dann kommt eben raus, was man ja auch viel hört und liest. Die Länder haben sich vorgenommen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Da müssen wir Erdsystemforscher warnen! Die Natur hat selber so ein Rückkopplungsmechanismus, der wirkt jetzt schon. Wir sollten also besser anstreben zu 2030 die Infrastrukturen so verändert zu haben, dass wir nicht mehr so abhängig von Kohle, Öl und Gas sind. Und das ist ein Riesenbeitrag zum Schutz der Meere.
Krause: Welchen kleinen Beitrag könnten denn Katharina und ich schon beitragen?
Boetius: Ihr könntet genauer hinschauen auf jeden Fall. Energiesparen ist immer ein Beitrag, vor allen Dingen, wenn ihr fossile Brennstoffe nutzen müsst. Aber auch hinzuschauen, wo landet eigentlich euer Müll? Wie viel nutzt ihr von den Erdressourcen jetzt schon? Und könnt ihr das vielleicht anders nutzen? Ganz wichtig ist auch bei mir immer die Frage: Wenn ich schon gerne Fisch esse, was esse ich da? Es gibt ja durchaus Angebote, um die nachhaltige Fischerei zu stützen – ein altes Handwerk der Menschheit. Auf schlimme Aquakultur-Produkte wie Billiglachs verzichten, der auch sehr zerstörerisch auf die Meere wirkt. Das ist für jedermann ein toller Beitrag.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins Der Morgen, 08. Juni 2021, 08:40 Uhr