Jetzt läuft:

Cyndi Lauper Time After Time
  • Als nächstes läuft:

  • Um 12:57 Uhr läuft: Backstreet Boys I Want It That Way
  • Jetzt läuft:

    Cyndi Lauper Time After Time
  • Davor lief:

  • Um> 12:47 Uhr lief: Aerosmith Dream On
  • Um> 12:42 Uhr lief: Die Ärzte Westerland
  • Um> 12:40 Uhr lief: Bobby Hebb Sunny
  • Um> 12:36 Uhr lief: Amy MacDonald Slow It Down
  • Um> 12:31 Uhr lief: Michael Jackson Bad
  • Um> 12:25 Uhr lief: The Korgis Everybody's Got To Learn Sometime
  • Um> 12:22 Uhr lief: Fine Young Cannibals She Drives Me Crazy
  • Um> 12:19 Uhr lief: Alicia Keys Underdog
  • Um> 12:14 Uhr lief: Jennifer Rush The Power Of Love

Der Mittag mit Dirk Böhling

Nadia Nashir-Karim im Interview Über die Lage in Afghanistan und den Afghanischen Frauenverein

Nadia Nashir-Karim ist Vorsitzende des afghanischen Frauenvereins, der sich schon seit über 30 Jahren für die Rechte von Frauen und Kindern in Afghanistan einsetzt. Sie hat mit Katharina Guleikoff und Jens-Uwe Krause im Morgen auf Bremen Eins über die aktuelle Lage in Afghanistan gesprochen und wie Sie helfen können.

Krause: Was bedeutet der Vormarsch der Taliban für die Frauen und Kinder in Afghanistan?
Nashir: Ja, wir schauen mit Sorge zu. Auch wegen unserer 14 Projekte, die am laufen sind: Schulen, Kliniken, Krankenhäuser, Alphabetisierungsprojekte. Ich habe seit heute Morgen bis gerade eben mit Mitarbeitern in Kabul telefoniert. Drei unserer Projekte – da sind wir ganz froh – sind wieder in Betrieb. Zwei Kliniken, wo auch Frauen arbeiten und in Kunduz ist die Schule wieder geöffnet. Mädchen und Jungenschulen mit über tausend Kindern. Die Situation in der Stadt Kabul normalisiert sich seit gestern. 50 Prozent der Geschäfte haben geöffnet. Auf dem Straßenbild von Kabul sieht man einige Frauen, die zwar eine striktere Kleiderordnung tragen, dennoch verlassen sie aber das Haus. Die Taliban haben gesagt, dass im Bereich Bildung die Schüler und Schülerinnen das Haus verlassen dürfen, aber in anderen Bereichen noch nicht, sagte unsere Mitarbeiterin mir gerade. Ob das morgen und die Tage danach auch so bleibt, weiß man nicht. Jedenfalls können wir mit unserer Arbeit weiter planen. Wir planen für die über tausend Flüchtlinge, die aus dem Norden – aus den nördlichen Provinzen nach Kabul gekommen sind, die mit Lebensmitteln und mobilen Kliniken zu versorgen. So sieht die Situation momentan aus. Lebensmittel sind extrem teuer geworden – bis zu 30 Prozent. Die Menschen schaffen das gar nicht. Und vor allem die Versorgungsengpässe sind groß. Viele Grenzen waren ja dicht und vor allem sauberes Trinkwasser ist ja auch eine Mangelware in Afghanistan. Deshalb hoffe ich, dass sich die Situation einigermaßen normalisiert und wir mit der Arbeit beginnen können. Also drei Projekte laufen, andere sind momentan wegen der Sicherheitsmaßnahmen dicht. Wir wurden ja vor drei Tagen quasi überrollt. Wir waren mittendrin – wollten Ärzte und Krankenschwestern einstellen. In unseren Schulen – die Roger-Willemsen-Schule und auch die Safaa-Schule am Rande von Kabul – die Kinder haben da Zwischenprüfungen gemacht, als auf einmal die Taliban nach Kabul gekommen sind. Wir mussten sofort stoppen. Unsere Mitarbeiter sind nach Hause gegangen. Die Kinder sind auch nach Hause gegangen, damit die Lage sich beruhigt. Und jetzt schauen wir, wie es weitergeht.
Nadia Nashir-Karim, Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins bei einer Talkshow
Bild: Imago | epd
Guleikoff: Es klingt danach, als würde man gar nicht langfristig planen können, sondern dass sie eher von Tag zu Tag schauen. Ihren Vereinen gibt es ja schon fast 30 Jahre. Das heißt, sie waren bereits tätig, kurz bevor die Taliban das erste Mal an der Macht waren. Zwischen 1994 und 2001 nämlich – kann man die Situation jetzt mit der Situation damals vergleichen?
Nashir: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, die Taliban wollen auch die Öffnung mit anderen Ländern – mit der internationalen Gemeinschaft. Sie haben vermutlich aus den Erfahrungen gelernt und sie können sich nicht isolieren. Wir hoffen nun und man sieht das ja auch, dass sie mehr Bereitschaft zeigen, auch Interviews zu geben, sich in Bildern zu zeigen, was vorher gar nicht möglich war. Wir müssen einfach abwarten. Es ist ganz schwierig, Prognosen zu stellen, wie die Taliban ihre zukünftige Regierung interpretieren, wie sie die Scharia interpretieren und auch die Rolle der Frauen. Das müssen wir abwarten und vor allem hängt das auch von der internationalen Gemeinschaft ab. Wie stark sie im Dialog sind, weil Afghanistan ist ja sehr komplex. Es sind ja viele Länder, viele Verbündete, die in Afghanistan weiterhin auch ihre Verbündete mit Waffen versorgen. Afghanistan ist ja ein sehr komplexes Land und vor allem auch strategisch und politisch für viele Nachbarländer interessant. Frieden und Dialog kann dann ins Land kommen, wenn man Gespräche mit den Nachbarn führt und nicht alleine mit den Taliban, weil die werden ja auch weiterhin von ihren Verbündeten unterstützt.
Ein bewaffneter Taliban läuft durch die Straßen von Kabul
Bild: Imago | SNA
Guleikoff: Wie können wir von hier aus ihre Arbeit unterstützen?
Nashir: In dem sie für unsere Arbeit spenden. Dass wir Spenden bekommen für die Nothilfeaktion. Es wird ein sehr harter Winter kommen. Wir gehören zu einer der wenigen Hilfsorganisationen, die in Afghanistan tätig sind und wichtig ist, immer über das Land zu berichten. Wir hatten das schon mal, als wir uns in den 90er-Jahren gegründet haben, da war Afghanistan aus der Weltpresse verschwunden. Es darf nicht so sein, dass jetzt in ein paar Tagen alle Medien darüber berichten und man dann gar nicht mehr berichtet. Die kontinuierliche Berichterstattung – dieses Bewusstsein für das Land und die Menschen – das dürfen wir nicht verlieren. 30 Millionen Menschen – die können ja nicht alle weggehen. Wir versuchen, die Strukturen vor Ort zu stabilisieren, damit die Menschen auch ein menschenwürdiges Leben führen können – vor allem Frauen und Kinder.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 17. August 2021, 8:40 Uhr