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Nachtprogramm

Auf ein Wort Einheit und Verschiedenheit

Autorinnen und Autoren

  • Pastorin Jeannette Querfurth

"Einigkeit, ein festes Band, hält zusammen Leut und Land" – Ein jahrhundertealtes deutsches Sprichwort ist quasi das heutige Motto: "Tag der deutschen Einheit". Seit gut 200 Jahren gibt es schon diese Idee der "Deutschen Einheit", die die verschiedenen Regionen zu einem großen Ganzen verbinden will. Auch unsere Nationalhymne stellt das vorne an: "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Das klingt so rund und harmonisch, ganz wunderbar. Aber unter der Decke wird doch immer wieder gezickt und gestritten. Ossis und Wessis fremdeln noch. Die Bayern granteln mit den Nordlichtern, die Düsseldorfer mit den Kölnern, die Landeier mit den Städtern und und und. Ist die "Deutsche Einheit" also Humbug?

In der Bibel gibt es eine interessante Stelle zur Einheit. Da steht im Epheserbrief:  "Ertragt einander in Liebe und bemüht euch darum, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt." Das klingt nicht nach rosaroter Brille, sondern nach dem, was man neudeutsch Beziehungsarbeit nennt. Ertragt einander in Liebe. Nicht kuscheln – ertragen ist das Stichwort. Also andere Menschen und Regionen in ihrem Anderssein aushalten.

Toleranz ist gefragt. Tolerieren kommt übrigens aus dem Lateinischen und heißt auf Deutsch "ertragen, aushalten". Wir Menschen in Regionen und Ländern müssen uns nicht liebhaben, um einig zu sein. Im christlichen Sinne ist es schon gut, wenn man sich toleriert und in seinem Anderssein akzeptiert.

Der Vers aus dem Epheserbrief spricht nach dem Tolerieren von der Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt. Das Spezielle an dieser Einheit ist, dass sie nicht nur die anderen erträgt, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnet. Alle sind Kinder Gottes und gleich wert. Niemand hat die absolute Wahrheit gepachtet oder das Recht, sich über die anderen zu erheben.

So funktioniert wirkliche Einheit: Die anderen in ihrer Verschiedenheit tolerieren und sich nicht über sie erheben, sondern auch als Kinder Gottes sehen. Wenn man sich daran hält, kann man ruhig verschieden sein oder unterschiedlicher Meinung. Das Sprichwort stimmt dann trotzdem: Einigkeit, ein festes Band, hält zusammen Leut und Land.

Dieses Thema im Programm: 3. Oktober 2021, 7:40 Uhr