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Nachtprogramm

Auf ein Wort Abraham a Sancta Clara

Autor/Autorin

  • Dr. Andreas Gautier, Stuhr-Brinkum

Dieser Tage ist mir ein altes Buch wieder in die Hand gefallen. Eine Sammlung von zwanzig Kurzgeschichten über die Kuriositäten der Kirchengeschichte. Darin enthalten ist eine Geschichte über Abraham a Santa Clara. Er gilt als berühmtester katholischer Prediger in der Zeit des Barock. Da ließe sich doch vielleicht für die eigene Arbeit noch was lernen. Schließlich hat dieser Mönch die Kirchen in Wien durch seine Predigten wieder voll bekommen. Wie hat er das geschafft?

Als erstes war er ein Meister der Stegreif-Rede. Es heißt, dass ihm einfach eine Bibel vorgelegt und auf eine Textstelle gezeigt wurde. Dann begann er zu predigen. Ohne Manuskript, ohne Vorlage, ohne sich tagelang Gedanken zu machen und an Wörtern und Sätzen zu feilen. Das Prinzip hat sich bis heute nicht verändert. Je freier ich rede, desto mehr habe ich das Gefühl, dass das Gesagte bei den Menschen auch ankommt.

Aber jetzt kommt es: In aller Regel begann er seine Predigten damit, die Anwesenden zu beschimpfen. Das wäre so, als würde ich mich hier erstmal darüber auslassen, wie man überhaupt noch Radio hören könne. Und dann auch noch bei solchen Beiträgen von der Kirche zuzuhören. Was fällt den Menschen da ein? Und noch schlimmer seien ohnehin die, die sich die Mühe machen, die Beiträge in der Mediathek zu suchen. Abraham würde nicht davor Halt machen zu fragen, ob die Hörerinnen und Hörer am Sonntagmorgen nichts Besseres zu tun hätten. Irgendwann müssten einzelne Ausdrücke wahrscheinlich sogar mit Piep-Tönen überlagert werden.

Ob das so eine gute Idee für den nächsten Gottesdienst wäre?

Aber der Erfolg seiner Predigten lag in dem, was dann kam. Nachdem er sich ausgiebig über alle Anwesenden ausgelassen hatte, hielt er inne. Er machte eine Pause und stellte fest, dass das alles wenig Sinn macht. Das ganze Geschwätz, die ganzen Vorurteile, die ganzen Gerüchte haben doch alle keinen Sinn. Und dann fing er an, die Textstelle mit dem Geschwätz, also die Bibel mit dem Leben in Verbindung zu bringen.

Und damit bewies er zweierlei: Erstens hatte er eine gehörige Portion Selbstironie. Er konnte sich selbst auf die Schippe nehmen und seine eigene Rede als Geschwätz bezeichnen. Und ein zweites: Mit allem, was er über die Leute sagte, zeigte er eine große Nähe und eine große Kenntnis vom Leben der Menschen. Die Menschen hörten ihm zu, weil sie ihr Leben entdeckten. Im ersten Teil natürlich auf eine unerfreuliche Art. Aber im zweiten Teil auf eine, mit der sie gestärkt in die kommende Woche gingen.

Und darauf kommt es doch bei jeder Verkündigung an. Egal ob in der Kirche oder im Radio.

Dieses Thema im Programm: 19. September 2021, 7:40 Uhr