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Nachtprogramm

Auf ein Wort Zuhören hilft

Autoren

  • Winfried Herzog

Die amerikanische Journalistin Kate Murphy hat im letzten Jahr ein Buch geschrieben mit dem vielsagenden Titel "You are not listening". Darin führt sie aus, dass uns die Kunst des Zuhörens abhandengekommen ist. Wohl wahr. Blickt man nur einmal auf die sozialen Medien, so entsteht schnell der Eindruck, dass auf allen Kanälen pausenlos kommuniziert wird. Mailen. Posten. Twittern. Rund um die Uhr muss etwas in die Welt verschickt werden. Der Kommunikationsweg scheint nur eine Richtung zu kennen: senden. Aber wie geht es mir als Empfänger? Wer hört mir noch wirklich zu? Wo ist Platz für meine Not, meine Ängste und Sorgen, für das, was mich wirklich bewegt?

In dem Zusammenhang bin ich auf ein interessantes Projekt gestoßen. Es heißt "Friendship benches", also Freundschaftsbänke. Dabei handelt es sich um richtige Holzbänke zum Sitzen, die vor ungefähr 20 Jahren zum ersten Mal in einigen Dörfern von Simbabwe aufgestellt worden sind. Mittlerweile gibt es richtig viele davon. Sie stellen eine Art Anlaufstelle für Menschen in Not dar. Denn auf diesen Bänken sitzen "grannies", also geschulte und lebenserfahrene Großmütter – Frauen, die ein offenes Ohr für alle haben, die jemand zum Reden brauchen. Emotionale Unterstützung pur, umsonst und draußen.

Die tragende Grundidee ist eine simple Gesprächstechnik: zuhören. Einfach nur zuhören, ohne Ratschläge zu geben. Das ist gar nicht so einfach. Und so sitzen diese "grannies" auf ihren Bänken und hören vor allem zu. Sie lassen sich berühren und zeigen Mitgefühl. Entsprechend ihrer Grundüberzeugung: "Ohne zuzuhören, habe ich keinen Einfluss." Und so stellen diese "Friendship Benches" eine Art Erste-Hilfe-Station für die Seele dar. Niedrigschwellig. Persönlich. Zugewandt.                                                                                                 -2

Doch was lässt dieses Projekt so erfolgreich sein, dass es mittlerweile sogar in New York anzutreffen ist? Vielleicht liegt es daran, dass in diesen persönlichen Begegnungen auf der Bank eine Art Resonanzraum entsteht. Wie bei einem Musikinstrument kommt etwas in Schwingung. Ich erlebe mich als wertvoll und wichtig. Ich fühle mich in meiner Not gesehen und verstanden. All das, was mir Alexa und mein Laptop nicht bieten können.

Damit sind meine konkreten Probleme noch nicht gelöst, aber ich kann durch solche Begegnungen ermutigt und gestärkt werden. Zuhören hilft. Zuhören als Seel-Sorge im besten Sinne. Eigentlich gar nicht so schwer. Ob mit oder ohne Bank.

Dieses Thema im Programm: 27. Juni 2021, 7:45 Uhr