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Nachtprogramm

Auf ein Wort Alt sein

Autoren

  • Pastorin Ulrike Oetken

Meine Mutter lebt seit sechs Jahren in einer Seniorenwohnanlage. Vorher hat sie 50 Jahre im selben Haus gewohnt. Die Kinder zogen aus, die Schwiegermutter starb, dann auch ihr Mann. Danach hat sie noch einige Zeit an der gewohnten Umgebung festgehalten, bis sie sich plötzlich für den Umzug entschied. Ihr Leben hat sich seitdem sehr verändert. Und sie hat ihre Entscheidung nicht bereut. Viele neue Bekannte hat sie unter ihren Nachbarinnen gefunden. Sogar Freundschaften. Das Haus liegt mitten im Viertel, wo es bunt und trubelig zugeht. Meine Mutter hat das alles genossen und hat sich mutig an lauter neue Vorhaben gewagt.

Mittlerweile ist ihre Gesundheit nicht mehr so stabil. Sie ist nicht mehr so sicher auf den Beinen, hat Schmerzen und das Sehen funktioniert nicht mehr so gut. Das alles konnte sie lange Zeit hinnehmen und sich darauf einstellen.

Aber seit einem Jahr ist das anders. Auch in ihrem Haus gilt das Abstandsgebot. Plötzlich kam das rege soziale Leben weitgehend zum Erliegen. Türen blieben zu, keine Kaffeeeinladungen, kein Filmabend auf dem Sofa, keine Spielenachmittage, keine Gymnastikgruppe, keine Besuche von Wohnung zu Wohnung. Im Haus ist es still. Und sie, meine Mutter, die so gerne lacht und sich so leicht auf neue Menschen einlassen kann, findet sich immer öfter vor dem Fernseher, "weil da wenigstens jemand redet".

Ein Lebensjahr von 85. Das scheint nicht viel zu sein. Aber jedes Lebensjahr ist kostbar. Und ich bewundere sie für ihre Geduld, ihre Einsicht, dass es nicht anders geht und dafür, dass sie nicht aufhört, sich Ziele zu setzen und sich zu freuen. Nicht nur sie, sondern auch ihre Bekannten und Nachbarinnen. Ich sehe aber auch, dass es schwer ist, sich zu motivieren und dass einige sehr müde und traurig sind. Der Prophet Joel aus dem Alten Testament der Bibel formulierte vor Tausenden von Jahren einen Herzenswunsch, den auch ich habe: "Und nach all diesem will ich meinen Geist ausgießen über alle Sterblichen, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure jungen Leute sollen Visionen haben".

Darauf hoffe und warte ich: auf Geist, Inspiration, Träume, die verwirklicht werden können, Visionen, die Lust zum Leben machen. Und ich hoffe, dass all diejenigen, die wahrscheinlich noch viel Lebenszeit vor sich haben, sich manchmal vorstellen, was es heißt, alt zu sein. Damit sie verstehen, was alten Menschen gerade fehlt. Auch ihnen gebührt großer Dank und Anerkennung in dieser Zeit.

Visionen und Träume aber haben große Kraft. Meine Mutter freut sich darauf, dass sich die Türen wieder öffnen.

Dieses Thema im Programm: 13. Juni 2021, 7:40 Uhr