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Der Morgen mit Britta Uphoff und Andreas Schnur

Album der Woche Colin Hay hält einige Gänsehautmomente für die Ewigkeit bereit

Autor

Als Frontmann der australischen Band Men At Work und markante Stimme ihres Welthits "Down Under" hat Colin Hay schon längst seinen verdienten Platz im Pop-Olymp bezogen. Dass er aber auch ein ernst zu nehmender Solokünstler ist, zeigt 40 Jahre später einmal mehr sein neues Album "Now And The Evermore".

Albumcover von Colin Hay "Now And The Evermore"
Bild: Compass Records
Albumcover von Colin Hay "Now And The Evermore"

So klingt Colin Hays "Now And The Evermore"

So klingt Colin Hays "Now And The Evermore"

Bild: Compass Records

Die ersten Klänge des mittlerweile 15. Studioalbums von Colin Hay gehören keinem Geringeren als Ringo Starr, der den Titeltrack "Now And The Evermore" mit einem knackigen Drum Fill eröffnet. Mit Ringo Starr And His All Starr Band ist Colin Hay mehrfach auf Tour gewesen und wird auch bei ihrer Ende Mai startenden Konzertreise dabei sein. Also hat Ex-Beatle Ringo seinem Bandgenossen diesen Freundschaftsdienst als Drummer sicherlich gern erwiesen.

Ich finde das furchtbar aufregend, denn für mich als Heranwachsender gab es nur The Beatles und danach erst kam alles andere.

Colin Hay

Ringo Starrs Schlagzeugspiel muss jede musikalische Saite in Colin Hay in Schwingungen versetzt haben, denn Hays musikalische Messlatte ist laut eigenem Bekunden das Beatles-Album "Rubber Soul" von 1965. Der dort versammelten kreativen Fülle versucht er als Songwriter nachzuspüren. Einflüsse der Beatles sind auf "Now And The Evermore" in der Tat zu hören, nicht nur im Titeltrack, sondern auch bei den Streichern in "Love Is Everywhere" oder den Harmoniefolgen in "The Sea Of Always".

Was ich mit dieser Platte zu vermitteln versuche, ist die große Dankbarkeit, die ich täglich dafür empfinde, immer noch auf diesem Planeten herumzulaufen. Auf einem Planeten, der mich mit solch großer Ehrfurcht und Verwunderung erfüllt.

Colin Hay
Colin Hay
Bild: Paul Mobley Studio | Marcus Offermanns

Mit seinen bald 69 Jahren blickt der in Schottland geborene, mit seiner Familie als 14-Jähriger nach Australien ausgewanderte und seit 1989 in Kalifornien lebende Singer-Songwriter voller Dankbarkeit auf das Leben zurück, das er bisher hat führen können. Sein Dasein auf Erden empfindet Colin Hay als Geschenk, ohne sich aber über die dunklen Seiten unserer Gegenwart hinwegtäuschen zu lassen. Aber Schmerz setzt er eben einfach Schönheit entgegen. Auf seinem am 29. April erschienenen Album begegnet der Sänger mit der unverwechselbaren Stimme den Widrigkeiten des Daseins mit einer großen Portion Optimismus und Wortwitz, immer auf der Suche nach dem Silberstreif am Horizont.  

Diese neue Platte habe ich versucht so schön klingen zu lassen, wie es mir überhaupt möglich gewesen ist. Manchmal kann Schönheit weh tun, doch dieser Schmerz fühlt sich gut an.

Colin Hay

"Now And The Evermore" wird nicht nur getragen von Colin Hays sonorem Gesang und seinen bilderreichen Texten, sondern ebenso von einer wahrhaft reichen Instrumentierung. Harmonium und Mellotron bereichern den Fuhrpark an Tasteninstrumenten, es funkeln Bläsersätze, Marschtrommeln rasseln und Streicher rollen ihre flauschigen Soundteppiche aus. Sogar einen Ausflug in die Klangwelt keltischen Folks gönnt der Wahlkalifornier sich in "All I See Is You". Das alles mag groß aufgetischt erscheinen, aber überladen wirkt Colin Hays musikalische Tafel zu keiner Zeit, da sie auch verhaltene Momente wie das magische "Starfish And Unicorns" anbietet. Alles in allem aber kann "Now And The Evermore" auch als genüsslich ausgebreiteter und klanglich lebensbejahender Gegenentwurf zu so manchem aufs Nötigste reduzierten Lockdown-Album genossen werden.

Es schien, als hätten wir eine Art gut gelaunte, kreative Ader angezapft. Selbst als wir dachten, wir hätten genug Material für eine Platte, habe ich für mich einfach weitergeschrieben, weil die Songs sich mir wie von selbst anboten.

Colin Hay

Die Ergebnisse seines kaum zu bremsenden kreativen Flusses hat Colin Hay aufgenommen und produziert im The Washroom Studio an seinem Wohnort Topanga im Los Angeles County. Gewidmet ist sein neues Album Ted Gardner, dem am 28. Dezember 2021 verstorbenen australischen Musikmanager, der auch Men At Work und Colin Hay betreut hat. Weitere Aufnahmesessions für "Now And The Evermore" in Nashville sind von Bassist und Produzent Garry West im Compass Sound Studio betreut worden.

Musikalische Ideen schlichen sich in meinen Kopf. Also folgte ich ihnen dorthin, wo sie mich hinführten, und nutzte die Freiheit, die sich daraus ergab, bis zu einer Änderung der Lage still dazusitzen.

Colin Hay
Porträt von Colin Hay
Bild: Compass Records

Der schon seit 1985 in meist kleineren Filmrollen in Erscheinung getretene Colin Hay ist ein geistvoller Geschichtenerzähler, der sich durch seine Auftritte im "Largo at the Coronet", einem Kabarett-Tempel in Los Angeles, in der Unterhaltungsbranche eine Fangemeinde hat aufbauen können. Seine erzählerische Gabe hat ihm auch durch die von der Pandemie erzwungene Zwangspause voller deprimierender Nachrichten geholfen. Denn trotz oder vielleicht gerade wegen der auf ihn einstürmenden Bilder gegen COVID-19 kämpfender Menschen setzte ein Strom musikalischer Ideen in seinem Kopf ein, dem Hay auf der Suche nach Veränderung gern gefolgt ist. Sein Albumtitel "Now And The Evermore" – "Das Jetzt und das Ewige" –  steht für die entspannte Einstellung dieses wortgewandten Songwriters gegenüber dem Unbekannten, das in der Zukunft verborgen liegt. Die Bodenhaftung in der Gegenwart verschafft ihm die Natur. Deshalb greift Colin Hay in seinen Texten gern auch auf das Meer, den Himmel, Flüsse und Berge als sprachliche Bilder zurück.

Ich denke, die Pandemie hat den Menschen vor Augen geführt, dass wir nicht ewig da sein werden. Wenn es also etwas gibt, das man jemandem sagen möchte, oder eine Liebe, die man ausdrücken möchte, dann sollte man es jetzt tun. Denn man weiß nie, wann sein letztes Stündlein geschlagen hat.

Colin Hay

Seinen Blick auf ein Leben im Hier und Jetzt zu legen, ist eigentlich eine banale Erkenntnis. Diese kann aber auch ein Weckruf sein – wie das Klingeln der Heilsarmee an der Haustür am Sonntagmorgen im Albumaufmacher. Und noch eine Banalität: Es klingt so schlicht, wie es wahr ist, "Now And The Evermore" ist ein wunderschönes Album und hält einige wie für die Ewigkeit geschaffene Gänsehautmomente bereit. Wenn dann auch noch jemand die großen offenen Fragen des Lebens so gelassen und klangvoll besingt wie Colin Hay, dann verliert auch seine das Album abschließende Frage "And when does the end begin?" all ihren Schrecken. Das hört sich doch gut an oder etwa nicht?

TitelDauer
Now And The Evermore3:37
Love Is Everywhere3:48
Into The Bright Lights3:30
The Sea Of Always3:27
Starfish And Unicorns3:29
A Man Without A Name3:38
Undertow3:40
All I See Is You3:52
Agatha Bell3:33
When Does The End Begin?3:31

Colin Hay: "Now And The Evermore"
Compass
EAN: 0766397478227
VÖ: 29.04.2022

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 2. Mai 2022, 16:40 Uhr