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Beat-Club mit Lutz Hanker

Album der Woche Der musikalische Brückenbauer Sting steckt voller Überraschungen

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Stings am 19. November veröffentlichtes Album "The Bridge" ist prall gefüllt mit musikalischen Überraschungen, mit Tiefgang, mit hörenswerten Geschichten – und natürlich mit großartigen Songs. Der so breit aufgestellte Künstler Sting nimmt uns mit auf die Suche nach einer helleren Zukunft.

Das Cover vom neuen Sting-Album "The Bridge"
Bild: Interscope

So klingt Stings Album "The Bridge"

So klingt Stings Album "The Bridge"

Das Cover vom neuen Sting-Album "The Bridge"
Bild: Interscope
Bild: Interscope

Im Interview mit Bremen Eins präsentiert Sting sich entspannt, zugewandt, aber sofort fokussiert, wenn es um seine Kunst geht. Denn so muss man das, was dieser von seiner Kreativität immer wieder aufs Neue beflügelte Weltstar betreibt, nennen: Stings Alben sind in der Regel viel mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Songs. Und so ist ”The Bridge” ein Album geworden, welches die Emotionen eines von globalen Verunsicherungen beeinflussten Lebens widerspiegelt.

Ich möchte die Leute immer wieder überraschen, indem ich ihnen eine neue Single von Sting präsentiere, und die Leute dann sagen: „Oh, das habe ich nicht erwartet!"

Sting

Doch zunächst einmal hat Sting mit seiner ersten Singleauskopplung “If It’s Love“ einen überraschenden Lichtpunkt gesetzt. In Erinnerung an seinen Vater, den Milchmann, der vor sich hin pfiff, wenn es ihm gutging, eröffnet Sting seine Single also pfeifend. Schließlich möchte er die Menschen mit seiner Musik immer wieder überraschen und wenn er als jemand, der eher zu Schwermut neige, etwas Fröhliches von sich gebe, sei das doch sehr wohltuend, erzählt er. Aber alles in allem decke sein (wenn man Stings zusammen mit Shaggy im April 2018 veröffentlichtes Album dazurechnet) 15. Studioalbum das volle Spektrum an Emotionen ab.  

Offensichtlich befinden sich alle Charaktere, über die ich schreibe, in einem Übergangsstadium zwischen Leben und Tod, zwischen Krankheit und Gesundheit oder zwischen verschiedenen Beziehungen. Sie alle suchen nach einer Brücke, nach einem Weg in eine glücklichere oder sicherere Zukunft.

Sting
Sänger Sting trägt ein gestreiftes Shirt und eine schwarze Jeans mit schwarzen Boots und sitzt auf einem Stein
Bild: Universial Music | Eric Ryan Anderson

Zentrales Thema seines neuen, in der Standard Edition zehn Songs umfassenden Albums, ist laut Sting der Übergang. Seine Charaktere würden alle nach einer Brücke suchen, die ihnen den Weg in eine glücklichere und sicherere Zukunft eröffne. Diese thematische Klammer ist dem mittlerweile 70-jährigen Songwriter aber erst aufgefallen, als er seine neuen Songs vor sich auf einem Tisch ausgebreitet hatte und entdeckte, wie sie alle miteinander verbunden sind. Aufbrüche, Ausbrüche, aber auch eine Orientierungslosigkeit, wie sie den Charakteren in den von Sting selbst als “ghost stories“ bezeichneten Songs “The Book Of Numbers“ und “The Hills On The Border“ widerfährt, schmieden die einzelnen Songs zu einem zusammenhängenden Werk zusammen. Dieses habe sich aber eher aus seinem Unterbewusstsein heraus entwickelt und fuße nicht auf einem vorgefassten Plan, stellt Sting rückblickend fest.

Es gibt also in der Tat eine Brücke und es handelt sich ja auch um ein zusammenhängendes Werk. Dieses ist aber eher aus dem Unterbewusstsein heraus entstanden, als dass ihm ein Plan zugrunde gelegen hätte.

Sting

Der titelgebende Song “The Bridge“, der die Standard Edition dieses Albums reduziert und von tiefer Nachdenklichkeit geprägt abschließt, stellt die Brücke als Sinnbild der in uns liegenden Möglichkeiten ganz deutlich in den Fokus. Es ist ein geradezu philosophischer Ausblick, den Sting als ein tief in die menschliche Seele eintauchender Texter hier gewählt hat: „Open the gates that we may follow, open the bridge to all of us.“

Für Songideen muss man sich für das Unbewusste öffnen. Für mich ist Songwriting eine Meditation, bei der man Dingen erlaubt, aus dem Unterbewusstsein aufzutauchen. Dinge, die man zuerst nicht unbedingt verstehen muss.

Sting
Sänger Sting in einem gestreiften Shirt und einer roten Jacke. Sein Kopf stützt auf seinen Händen. Er sitzt an einem Tisch
Bild: Universial Music | Eric Ryan Anderson

Sting, der sich bei seinen Songideen von seinem Unterbewusstsein leiten lässt, ist dankbar dafür, dass mit seinem aktuellen Album dann auch etwas Stimmiges dabei herausgekommen ist. Er vergleicht die Entstehung seiner Songs mit einer Art Meditation oder dem Action Painting, jener unmittelbaren Art der Malerei, die sich von bewusster Beeinflussung entkoppelt hat. Das gilt aber natürlich nur für Stings Songideen. Stehen diese erst einmal, so setzt der Musiker sich intellektuell mit ihnen auseinander und arbeitet sie aus. In diesem Zusammenspiel aus unbewusster Songfindung und intellektueller Durchdringung der in seinen Songideen verborgenen Möglichkeiten fängt der für seine Offenheit gegenüber verschiedensten musikalischen Stilrichtungen bekannte Künstler Sting die unterschwellige Stimmung unserer pandemiegeprägten Zeit unter die Haut gehend ein.

Ich setze darauf, bei meiner Arbeit zunächst die Musik zu komponieren. Wenn die Musik dann gelungen ist, beinhaltet sie bereits eine Erzählung, eine zusammenhängende Geschichte, es ist in ihr also etwas verborgen. Manche Leute sehen Farben, wenn sie Musik hören, ich sehe Geschichten vor mir.

Sting

Die intuitive Kraft der zehn neuen Songs, die Sting unter anderem zusammen mit seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Dominic Miller und seinem Koproduzenten Martin Kierszenbaum geschrieben hat, speist sich aus einer außergewöhnlichen kreativen Gabe: Sting sieht Geschichten, Charaktere und Situationen vor sich, wenn er komponiert. Zuerst entsteht bei ihm in der Regel die Musik. Diese fordere er dann dazu auf, ihm eine Geschichte zu erzählen, erläutert Sting, der sich ja auch als Schauspieler schon regelmäßig mit Handlungssituationen hat auseinandersetzen können. Und so tauchen auf “The Bridge“ in sich hineinhorchende Philosophen (“Rushing Water“), verwirrte Verliebe (“If It‘s Love“), rätselhafte Fremde (“The Book Of Numbers“) oder wortbrüchige Seeoffiziere (“Captain Bateman“) aus den Tiefen von Stings Künstlerseele auf.

Die Harmonik steht bei mir an erster Stelle, denn ich interessiere mich für Akkorde. Ich finde einen Akkord faszinierend, weil er mich zum nächsten leitet, der mich wiederum woanders hinführt. Es ist eine Entdeckungsreise.

Sting

Auf die Frage, was ihm bei der Entstehung neuer Songs zuerst durch den Kopf gehe, eine Melodie oder ein Rhythmus – letzteres wäre ja für einen Bassisten durchaus naheliegend – kommt als überraschende Antwort: die Harmonik. Wenn ihn ein Akkord fasziniere, dann leite der ihn zum nächsten und dieser dann wiederum weiter. Es sei eine Entdeckungsreise, betont Sting, deren Bedeutung er dann entschlüsseln und in einen Song verwandeln müsse - wie bei einem Kreuzworträtsel oder einem Puzzle. Dabei versucht der 1951 im Nordosten Englands als Gordon Matthew Thomas Sumner geborene Songwriter jede Etikettierung und Vereinnahmung zu vermeiden. Die Einordnung seiner Musik sei ein Problem, das diejenigen, die sich seine Songs anhören, für sich selbst lösen sollten. Er selbst halte sich bewusst aus jeder Schublade, in die er gesteckt werden könnte, heraus.

Sänger Sting trägt ein schwarzes Shirt, eine schwarze Jeans und einen schwarzen Mantel und steht in einer Tür. Seine Hände drücken gegen die Wände rechts und links.
Bild: Universial Music | Eric Ryan Anderson

Auch wenn ich nicht notwendigerweise autobiografisch schreibe, so kann ich doch mit einer gewissen Authentizität über die Liebe singen, weil ich ja ihre ganze Bandbreite erlebt habe.

Sting

Natürlich geht es in “The Bridge“ auch um die Liebe. Diese habe er mit seinen mittlerweile 70 Jahren in all ihren Facetten erleben können, erzählt Sting. Deshalb wisse er, wovon er schreibe, wenn es um Liebesglück, Leidenschaft, Eifersucht, Kummer und Lust gehe. Das unterscheide ihn von einem Teenager, der das ja noch gar nicht alles habe erfahren können. Neben der Liebe bestehe seine musikalische DNA aus zwei weiteren Strängen, erläutert der schon 1985 mit seinem ersten Soloalbum “The Dream Of The Blue Turtles“ an den Start gegangene Musiker. Zum einen habe ihn die Folkmusik beeinflusst, mit welcher er als Kind aufgewachsen sei, zum anderen habe er seine religiöse Erziehung als anregend empfunden – im negativen wie im positiven Sinn. Das nachdenkliche “Loving You“ jedenfalls fängt diese verschiedenen Facetten von Stings Musik spürbar ein.

Der Sound ist gewollt so gemixt, dass die Stimme sehr präsent ist. Das Mikrofon ist ein sehr intimes Werkzeug, mit seiner Hilfe kann man mit seiner Stimme sogar so gut wie in jemandes Kopf hineinklettern.

Sting

Bei der, wie von Sting nicht anders zu erwarten war, erstklassigen Produktion steht seine Singstimme im Vordergrund des Geschehens. Diese solle zuerst wahrgenommen werden, darauf sei der Sound seines Albums angelegt, betont Sting. Denn schließlich sei ein Mikrofon ein sehr intimes Werkzeug, mit welchem man über seine Stimme quasi direkt in die Köpfe der Zuhörer hineinklettern könne.

Glücklicherweise befinde ich mich in der Lage, mit Musikern zusammenzuarbeiten, die mich schon seit Jahrzehnten begleiten: Dominic Miller, Manu Katché und Branford Marsalis. Sie alle kennen meine Vorgehensweise und ich weiß, wie sie arbeiten. Wir brauchen also nicht viele Worte zu machen.

Sting

“The Bridge“ ist an verschiedenen Orten in Großbritannien, Italien, Frankreich, den USA und auf den Bahamas aufgenommen worden. Diese globale Streuung ist der Tatsache zu verdanken, dass Sting auch für sein neuestes Album wieder mit seinen ihm über Jahrzehnte verbundenen Musikern wie dem Gitarristen Dominic Miller, dem Saxofonisten Branford Marsalis und Drummer Manu Katché zusammengearbeitet hat. Sie alle verstehen sich mittlerweile blind und sind nicht mehr darauf angewiesen, gemeinsam im selben Studio zu sitzen. Sie kennen Stings Vorgehensweise und er wiederum ihre Art zu arbeiten. Daher gelingt es ihnen auch über die räumliche Distanz hinaus eine vertraute und einladende Aufnahmesituation zu schaffen. Das könne man am warmen Sound von “The Bridge“ spüren, ist sich Sting sicher.

Wir alle halten Ausschau nach einer Brücke, die uns an einen sichereren und glücklicheren Ort führt. Das betrifft nicht nur mich, sondern uns alle.

Sting

Schon von seiner Grundeinstellung her ein sehr reflektierter Musiker, ist Sting in diesem während des Lockdowns geschriebenen Album noch weiter in die Tiefe seines gedanklichen Kosmos gestiegen. Wie viele andere auch hatte er pandemiebedingt viel Zeit zum Nachdenken und hat alles, was sein Leben ausmacht, noch einmal neu kartiert. Dass dabei ein tiefgründiges und musikalisch so abwechslungsreiches Album wie “The Bridge“ herausgekommen ist, kann ruhigen Gewissens als popmusikalischer Glücksfall bezeichnet werden. Ob Stings ideale Brücke nun in eine sicherere und glücklichere Zukunft führen mag, kann man nicht wissen – ihr Erfinder selbst zuletzt auch nicht. Dass die musikalischen Bausteine dieser Brücke jeder für sich wie auch als Songfolge absolut hörenswert sind, das allerdings ist sicher. Denn schließlich heißt ihr Baumeister ja Sting!

Sting im Interview

Christian Höltge neben dem Sänger Sting
Bild: Radio Bremen | Christian Höltge

Am 22. September 2021 hat Christian Höltge Sting in Hamburg getroffen. Das ganz Interview können Sie hier anhören:

Sting im Interview

Sting im Interview

Christian Höltge neben dem Sänger Sting
Bild: Radio Bremen | Christian Höltge
Bild: Radio Bremen | Christian Höltge

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Die Songs

TitelDauer
Rushing Water3:17
If It's Love3:12
The Book Of Numbers3:18
Loving You4:24
Harmony Road3:18
For Her Love3:45
The Hills On The Border4:16
Captain Bateman4:14
The Bells Of St. Thomas4:08
The Bridge2:33

Sting “The Bridge”
UMI/A&M
EAN: 9705800199381
VÖ: 19.11.2021

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 22. November 2021, 16:40 Uhr