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Album der Woche Passenger schillert klangschön zwischen Melancholie und Gelassenheit

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Man mag es nicht mehr hören, aber ja, Covid-19 hat auch die Pläne des Reisenden in Sachen Musik mit dem Namen "Passenger" über den Haufen geworfen. Sein 13. Studioalbum "Songs For The Drunk And Broken Hearted" hätte eigentlich schon im Mai vergangenen Jahres erscheinen sollen. Aber die Pandemie hielt Passenger vor Augen, dass er seine Songauswahl noch einmal überarbeiten müsse.

Albumcover: Passenger - "Songs For The Drunk And Broken Hearted"
Albumcover: Passenger - "Songs For The Drunk And Broken Hearted" Bild: Legere Records

So klingt "Songs For The Drunk And Broken Hearted" von Passenger

So klingt das Album von Passenger.

Audio vom 29. Januar 2021
Albumcover: Passenger - "Songs For The Drunk And Broken Hearted"
Albumcover: Passenger - "Songs For The Drunk And Broken Hearted" Bild: Legere Records

Am 8. Januar nun sind Passengers zehn "Songs For The Drunk And Broken Hearted" endlich an den Start gegangen. Die meisten der neuen Lieder von Michael "Mike" David Rosenberg, wie Passenger mit bürgerlichem Namen heißt, entstanden vor dem Hintergrund seiner Erfahrung, wieder Single zu sein. Das hat seinen Musikstil aber nicht auf links gedreht, denn schon immer hat Passenger seine Songs ja mit einem kräftigen Spritzer Melancholie abgeschmeckt. Sicher schlüpft der sensible Songwriter aktuell auch in die Rolle des wehmütigen Clowns, der auf dem Albumcover seinen Kummer in Whisky zu ertränken versucht. Aber Passenger wäre nicht der weitgereiste Beobachter, der die Begegnungen mit anderen braucht wie die Luft zum Atmen, wenn er sich komplett in Selbstmitleid verlieren würde. Und so lässt er spätestens im Schlusstitel seines aktuellen Albums, "London In The Spring", die Sonne wieder aufgehen

Es ist ein langer, gewundener Weg bis hierher gewesen, aber ich denke, das Album ist dafür umso besser geworden.

Passenger

"Songs For The Drunk And Broken Hearted " ist bereits Passengers zweites Kind des Lockdowns, auf welches er sehr stolz ist. Sein Vorgängeralbum "Patchwork" veröffentlichte er nur digital und vermachte dessen Erlöse der britischen Hilfsorganisation "The Trussell Trust ". Aus jenem Lockdown-Album stammt auch die Single "Sword From The Stone", die Passenger als Aufmacher für seinen aktuellen Longplayer aber von einem klassischen Singer-Songwriter-Stück in einen flockigen Popsong verwandelt hat. Für ihn erfülle "Sword From The Stone" absolut das Klischee, dass man die besten Dinge hervorbringe, wenn man durch harte Zeiten gehe, betont Passenger. Sein Kumpel Ed Sheeran war dann auch von "Sword From The Stone" dermaßen begeistert, dass er davon eigens seinen "Gingerbread Mix" produzierte.

Statt auf Reisen im Lockdown

Da Passenger während der Lockdown-Wochen eine ganze Menge neuer Songs geschrieben hatte, war genügend Material für ein weiteres Album vorhanden. Nur dass er dazu nicht wie gewohnt permanent auf Reisen sein konnte. Der Weg hin zu seiner aktuellen Platte sei aber trotz alledem länger und gewundener als bei all seinen anderen Alben gewesen, stellt Mike Rosenberg rückblickend fest.

Bisweilen sind Künstlergarderoben Geburtsstätte für die besten Songs.

Passenger
Mike Rosenberg alias Passenger bei einem Konzert.
Bild: Imago | Martin Müller

Trotz der mittlerweile so stark zurückgefahrenen Reisemöglichkeiten gibt es auch auf "Songs For The Drunk And Broken Hearted" Titel, die unterwegs entstanden sind. Zu ihnen gehört beispielsweise das mit seiner Einleitung an einen Beatles-Song erinnernde "Remember To Forget", welches Passenger in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá backstage geschrieben hat. Es sei absolut spannend, wenn er die nervöse Energie, die ihn direkt vor einem Auftritt befalle, gleich in einen neuen Song umsetzen könne, berichtet der Songwriter. Manchmal entstünden die besten Lieder eben in der Künstlergarderobe.

Passenger offenbart die Verletzlichkeit seiner Charaktere

Normalerweise ist Mike Rosenberg so oft wie möglich auf Tour. Die ständigen Begegnungen mit anderen Menschen und die enge Verbindung zum Publikum, die er mit seiner Musik aufbauen möchte, bilden den Boden, auf dem er seine Songideen wachsen lässt. Da schlägt auch heute immer noch das Herz des überzeugten Straßenmusikers in seiner Brust. Also werden auch die "Songs For The Drunk And Broken Hearted" von Passengers feiner Beobachtungsgabe getragen, die hinter seinen Personenbeschreibungen immer auch die Verletzlichkeit der Charaktere offenbart. So schreibt der 36-jährige Singer-Songwriter etwa über "Suzanne": "Dieses Lied erzählt die Geschichte einer älteren Dame, die allein in einer Bar trinkt und an eine Zeit zurückdenkt, in der sie jung und schön war und ihr ganzes Leben noch vor sich hatte. Ich denke, es ist ein Thema, auf das ich in meinen Liedern immer wieder zurückkomme – die Vergänglichkeit der Jugend und das unvermeidliche Vergehen der Zeit. Suzanne hatte alles vor sich und vergeudete es und sitzt nun da mit der Sehnsucht nach etwas, das nie wieder geschehen kann." Auch der Betrunkene in Passengers Video zu "Remember To Forget" verwandelt sich von einem aufdringlichen Pub-Besucher in jemanden, der mit seinem Kummer seine Mitgäste zum gemeinsamen Tanzen animiert.

Es ist ziemlich schwierig gewesen, dieses Album in die richtige Form zu kneten. Aber bisweilen ist es doch eine gute Sache, wenn man während des Schaffensprozesses ein bisschen mit Spannungen und Unbequemlichkeiten zu kämpfen hat.

Passenger

Wären seine "Songs For The Drunk And Broken Hearted" direkt nach dem Zerbrechen seiner Beziehung herausgekommen, hätte sein Album eine zornige und deprimierende Note bekommen, gibt Mike Rosenberg zu. Jetzt hoffe er aber, die richtige Mischung aus Licht und Schatten anbieten zu können. Diese Hoffnung hat sich erfüllt, denn wie kaum einem anderen Songwriter seiner Generation gelingt es Passenger, seine tief sitzende Melancholie immer wieder mit federnder Leichtigkeit und emotionaler Gelassenheit aufzuhellen. Die pandemiebedingte Isolation hat ihn aus dem Tour-Wirbel der vergangenen zehn Jahre herausgerissen und ihn wieder ein wenig zu sich selbst finden lassen. Und so ist es Passenger schließlich gelungen, seine "Songs For The Drunk And Broken Hearted" in die richtige Form zu kneten und in seinen Black Crow Studios in Brighton aufzunehmen.

Ein Album der leisen Töne

Nach seinem Ausflug in Americana-Gefilde mit seinem 2018er-Album "Runaway" hat Passenger sich mit seinen "Songs For The Drunk And Broken Hearted " zum bisherigen Gipfel seines Songwritings aufgeschwungen. Sensibel, hinter die Fassaden blickend, unaufgesetzt und mit sich niemals anbiedernder Sanftheit reiht Mike Rosenberg auf seinem aktuellen Album mit feinem Pinsel gezeichnete Klangbilder aus der menschlichen Gefühlswelt aneinander.

Ich versuche immer, den Leuten mit meiner Musik Licht und Schatten zu bringen, sie mitzunehmen auf eine Reise durch Höhen und Tiefen.

Passenger

Mike Rosenberg scheint also mit seiner Mischung aus britischem Songwriting, feinstem Gespür für das menschliche Miteinander und Americana-Elementen jetzt den Kern seines Musikstils getroffen zu haben. Gekonnt dosierte Klangakzente setzen Streicher und Bläser – besonders das Trompetensolo in "Sandstorm", welches jedem Italo-Western bestens zu Gesicht stehen würde.

Licht und Schatten unter Verzicht auf vordergründige Euphorie und tränenschweres Selbstbejammern miteinander zu verschmelzen, darin liegt die Stärke Passengers. Und genau diese Mischung macht doch das Leben aus, oder?

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Die Songs

TitelDauer
Sword From The Stone3:21
Tip Of My Tongue3:01
What You're Waiting For2:37
The Way That I Love You2:39
Remember To Forget3:38
Sandstorm5:01
A Song For The Drunk and Broken Hearted3:59
Suzanne4:15
Nothing Aches Like A Broken Heart4:16
London In The Spring3:01

Passenger "Songs For The Drunk And Broken Hearted"
SMI/ Cooking Vinyl
EAN: 0711297390445
VÖ: 8. Januar 2021

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 1. Februar 2021, 16:40 Uhr