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Der Nachmittag mit Norbert Kuntze

Album der Woche Celeste, die "Himmlische" mit der Gänsehautstimme

Autor

Mit Celeste katapultiert sich eine beeindruckende junge Sängerin ins Rampenlicht einer doch recht überfrachteten Popwelt. "Not Your Muse" hat die 26-Jährige ihr am 29. Januar erschienenes Debütalbum genannt. Das steckt voller intensiver Songs, wird vor allem aber getragen von einer außergewöhnlichen Gänsehautstimme, die man so leicht nicht vergisst.

Albumcover: Celeste - "Not Your Muse"
Albumcover: Celeste - "Not Your Muse" Bild: Universal Music

So klingt "Not Your Muse" von Celeste

So klingt "Not Your Muse" von Celeste.

Audio vom 5. Februar 2021
Albumcover: Celeste - "Not Your Muse"
Albumcover: Celeste - "Not Your Muse" Bild: Universal Music

Die am 5. Mai 1994 im Los Angeles County geborene Celeste Epiphany Waite singt mit einer geradezu atemberaubenden Intensität. Eigentlich würde sie die ihre Stimme veredelnden Soundbetten ihres Albums gar nicht benötigen. Das beweist spätestens der Titeltrack "Not Your Muse", dessen quasi akustischer Beginn sich vollkommen auf ihren Gesang konzentriert. Celestes Stimme kann samten wie in diesem Titelsong oder vor Energie vibrierend wie in "Stop This Flame", welches später zum Song einer BMW-Werbekampagne mutierte, klingen. Ihre außergewöhnliche Stimme kann aber auch spröde und zerbrechlich wirken wie in ihrer anrührenden Ballade "Strange". Da beginnt ein Naturtalent, sich seinen verdienten Platz im Popuniversum zu erobern.

Ich denke, dass ich damals der Stimme meines Herzens gefolgt bin.

Celeste
Celeste
Celeste Bild: Universal Music | Elizaveta Porodina

Im Gespräch mit Bremen Eins offenbart Celeste sich als sehr nachdenkliche Künstlerin, die sich intensiv mit der Wirkung ihrer Musik auseinandersetzt. Vor zehn Jahren, im Alter von 16, begann sie sich ernsthaft mit dem Gesang auseinanderzusetzen, denn sie brauchte ein Vehikel, um ihre Gefühle begreifen und ausdrücken zu können. Ohne eine formale musikalische Ausbildung wagte Celeste den Sprung in eine Musikklasse, musste dort vorsingen und stellte fest, dass dies der Weg war, auf welchem sie der Stimme ihres Herzens folgen konnte. Das blieb auch anderen nicht verborgen und so wurde sie von ein paar Jungs ihrer Schule gefragt, ob sie in deren Band einsteigen wolle. Celeste beschreibt diese neuen Erfahrungen als musikalische Landschaft, in der sie sich wohlzufühlen begann.

Ein halbes Jahr nach ihrem Collegeabschluss hatte Celeste ihren ersten Manager, der ihr die Türen zum professionellen Musikbetrieb öffnete. Im Vertrauen auf ihr Bauchgefühl, aber auch sensibel für die Fallstricke, die ihr auf dem Feld des Musikbusiness drohten, hatte Celeste schon früh die Gefahr erkannt, musikalisch vereinnahmt zu werden, ohne ihr künstlerisches Selbst gefunden zu haben. Also schlug sie Angebote aus und sah sich am Ende ihrer Karriere, bevor diese überhaupt richtig begonnen hatte. Ein neuer Manager brachte dann die Wende. Er führte der jungen Sängerin vor Augen, wer sie sein und was sie wirklich tun könnte.

Auch jetzt, wo alles für mich so gut läuft, gibt es natürlich immer höhere Ziele, die ich mir setze, damit ich das richtige Standing für den Fortgang meiner musikalischen Karriere habe.

Celeste

Etwa vier Jahre hat es gedauert, bis Celeste sich wieder ernsthafter in die Musik zu stürzen begann. Ihr Einsatz hat sich gelohnt, denn mittlerweile fühlt sich die am Stadtrand von Brighton aufgewachsene Sängerin wohl in ihrer Haut als Shootingstar, der im vergangenen Jahr mit dem britischen "Rising Star Award" ausgezeichnet worden ist. Celestes künstlerischer Anspruch besteht dann auch darin, sich immer höhere Ziele zu setzen und aus dem Gefühl fortlaufender Unbeständigkeit heraus immer wieder neue Dinge in Angriff zu nehmen.

Celeste im Interview

Christian Höltge sprach mit Celeste über ihre Musik und ihr Debütalbum.

Audio vom 5. Februar 2021
Albumcover: Celeste - "Not Your Muse"
Albumcover: Celeste - "Not Your Muse" Bild: Universal Music

Celeste spielt kein Musikinstrument und kennt sich – im Gegensatz etwa zu ihrer Kollegin Arlo Parks, einem ebenfalls am britischen Pophimmel aufgehenden Stern – nicht mit digitalen Produktionstechniken aus. Celeste hat sich für den klassischen Weg ins Studio entschieden und lässt den heimischen Laptop stehen. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählt sie den US-amerikanischen Rapper und Songwriter Kendrick Lamar und vor allem ihren Landsmann Michael Kiwanuka. Der habe aus Soul, Blues und Jazz sein individuelles Musikgenre geformt und sich damit schier unendliche musikalische Möglichkeiten eröffnet, betont Celeste. Genau solch einen unbegrenzten Kreativraum möchte sie sich nun auch erschließen.

Sicher kratze ich bisher nur an der Oberfläche, ich hoffe aber, darin noch erfolgreicher zu werden. Ich bin gespannt darauf, was für Songs ich in diesem Jahr wohl noch schreiben werde.

Celeste

Zuallererst möchte die von der BBC zum führenden "Sound of 2020" gekürte Musikerin als absolut ehrlich und persönlich wahrgenommen werden. Das ist Celeste wichtig, denn als Songwriterin möchte sie möglichst viel von ihrem Blick auf das Leben an sich und auf die Gefühlswelt einer jungen, selbstbewussten Frau vermitteln. Vor allem aber besitzt Celeste, deren Name so viel wie ‚himmlisch‘ bedeutet, eine Stimme, die aus einer anderen Sphäre zu kommen scheint. Bisweilen erinnert sie mit ihrem Timbre an Adele, aber mit der gekonnt eingesetzten Sprödigkeit ihres Gesangs stößt Celeste ebenso ein Fenster auf zu einer vergangenen Epoche und klingt dann plötzlich wie eine wiederauferstandene Billie Holiday. Das alles erscheint konsequent, wenn Celeste außergewöhnliche Sängerinnen wie Aretha Franklin, Etta James und Nina Simone als stimmliche Vorbilder nennt. Sie könne sicherlich nicht mit diesen mithalten, räumt Celeste ein, aber deren Gesangstechniken und Phrasierung hätten in ihr den Wunsch geweckt, selbst Sängerin zu werden.

Ich fühle jetzt, wer ich sein soll und dass ich die Verantwortung dafür übernehmen muss, Risiken auf mich zu nehmen.

Celeste

So erdenfern Celestes Stimme auch wirken mag, mit ihrem Albumtitel "Not Your Muse" stellt sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend klar, dass sie auf ihrem Debütalbum nur sie selbst sein möchte. Von den von außen in sie gesetzten Erwartungen hat sie sich freigemacht. Da sie jetzt spüre, wer sie sein wolle, sei sie auch bereit, das Risiko auf sich zu nehmen, abseits vom Pop-Mainstream ihren Weg zu suchen. Mit ihrem steigenden Selbstbewusstsein als Künstlerin sieht sie nun, wie sich der Kreis von ihren musikalischen Anfängen hin zu einer absolut authentischen Sängerin zu schließen beginnt.

Mir kommt es so vor, als hätte ich einen Aktenschrank in meinem Kopf, in welchem ich all die verschiedenen Dinge aufbewahre, die ich für bedeutend halte und die mich emotional berührt haben.

Celeste

Also schlüpft die britische Sängerin, in deren Blick schon so viel Wissendes zu liegen scheint, in keine ihr auferlegte Rolle, sondern nimmt Eindrücke aus ihrer Umgebung auf, gleicht diese mit ihren eigenen Empfindungen ab und verwandelt sie in äußerst individuelle Songs. Überhaupt ist das, was Celeste musikalisch macht, ungemein vielschichtig. Es überlagern sich in ihrem flirrenden Gesamtklang R ’n‘ B, Soul, Jazz und Pop. Celeste klingt nach der wohligen Enge kleiner Clubs ebenso wie nach der unendlichen Weite des Horizonts.

Im Aktenschrank ihrer Erinnerungen verwahrt Celeste auf der Straße aufgeschnappte Eindrücke ebenso wie ganz persönlichen Erfahrungen. Neben den großen Themen Liebe, Herzschmerz und Sehnsucht ist es aber gerade das tägliche Allerlei, hinter welchem sich für sie als Songwriterin die stärkste Aussagekraft verbirgt. Diese gelte es zu entdecken und in Songs zu verwandeln, in denen sich möglichst viele wiederfinden können.

Es ist das tägliche Einerlei eines montags bis freitags Nine to Five, in welchem ich die größte Aussagekraft entdecke, denn genau so läuft für die meisten von uns das Leben ab.

Celeste

Was Celeste auf "Not Your Muse" an Sounds und Stimmungen versammelt hat, entspricht genau den beiden Herzen, die offensichtlich in ihrer Brust schlagen. Die eine Frauenpersönlichkeit, die in ihr stecke, sei sanft, sehne sich nach Trost und Liebe, erzählt sie. Die andere hingegen sei die, die sich nicht ändern oder anpassen möchte. Aus diesen charakterlichen Gegensätzen, mit denen Celeste ringt, sind im Laufe der Zeit die Songs entstanden, die jetzt ein wirklich außergewöhnliches Debütalbum formen.

Celeste mag niemandes persönliche Muse sein. Aber das Zeug zu einer inspirierenden, beseelenden Künstlerpersönlichkeit hat sie jetzt schon. Das nimmt man ihr vom ersten Ton an ab.

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Die Songs

TitelDauer
Ideal Woman3:43
Strange (Edit)3:20
Tonight Tonight3:39
Stop This Flame3:32
Tell Me Something I Don't Know3:56
Not Your Muse4:27
Beloved3:57
Love Is Back4:16
A Kiss3:58
The Promise3:45
A Little Love (From The John Lewis & Waitrose Christmas Advert 2020)3:01
Some Goodbyes Come With Hellos3:25

Celeste "Not Your Muse"
UMI/ Polydor
EAN: 9705800134443
VÖ: 29. Januar 2021

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 1. Februar 2021, 16:40 Uhr