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Der Abend mit Ansgar Langhorst

Album der Woche Milow findet zur Frische seiner frühen Jahre zurück

Autor

Frisch, frühe Jahre – klingt das nicht allzu beliebig? Ganz und gar nicht, denn Milow hat wieder seine Unbefangenheit und Leichtigkeit einfangen können, die ihn gerade zu Beginn seiner Karriere ausgezeichnet haben. Auf "Nice To Meet You" zeigt er sich aber auch als sensibler Songwriter, dem die tragischen Züge des Lebens nicht mehr fremd sind.

Albumcover Milow "Nice To Meet You"
Bild: Sony Music / Homerun Records
Der Sänger Milow in einem buten Hemd vor einer Wand

So klingt Milows Album "Nice To Meet You"

So klingt Milows Album "Nice To Meet You"

Bild: Sanja Marusic
Milow

Milow im Interview bei Bremen Eins

Bremen-Eins-Musikredakteur Christian Höltge spricht mit Milow über sein neues Album "Nice To Meet You".

Bild: Universal Music | Kevin Zacher

Mit seinem 7. Studioalbum ist Milow, der seine letzten drei Alben in Los Angeles aufgenommen hat, auch wieder nach Europa zurückgekehrt. Nicht ganz freiwillig, denn auch ihn haben Pandemie und Lockdowns vor komplett neue Herausforderungen gestellt. Und so heißen die Aufnahmeorte seines am 20. Mai erschienenen Longplayers Brüssel, Kortenhoef in Nordholland, Wien oder Berlin. Im lebhaften Gespräch mit Bremen Eins erzählt der belgische Musiker, dass nicht nur bei den Aufnahmen einiges ganz anders ablief als gewohnt.

Die Entwicklung war ganz anders, muss ich sagen, wenn ich das mit meinen anderen Alben vergleiche.

Milow

Normalerweise hat Milow seine Alben bereits fertiggestellt, bevor er einzelne Songs als Singles auf den Markt bringt. Die Geschichte von "Nice To Meet You" aber beginnt mit einem einzelnen Song: "Whatever It Takes". Diesen hatte Milow bereits sieben Monate nach Erscheinen seines Albums "Lean Into Me" vom 31. Mai 2019 geschrieben. Als die Pandemie schon vor der Tür stand, entschied Milow "Whatever It Takes" schnellstmöglich zu veröffentlichen, um seinem Publikum noch einmal positive Impulse von Hoffnung und guter Laune zu geben. Damals, im Mai 2020, steckten viele im ersten Lockdown und die digitalen Kommunikationswege waren eher ungepflasterte Pfade als gut ausgebaute Straßen. Milows Fans liebten seinen neuen Song so sehr, dass der belgische Songwriter beschloss, das positiv Aufgeladene von "Whatever It Takes" als Initialzündung für ein neues Album zu nutzen. Das war eine mehr intuitive als strategische Entscheidung und so erblickten im März 2021 erst einmal "ASAP" und im vergangenen Oktober "DeLorean" als Singles das Licht der Musikwelt.

Ich habe das Gefühl nach dieser langen Zeit, den letzten zwei Jahren, dass ich mich selbst wieder vorstellen möchte.

Milow
Milow
Bild: Universal Music | Kevin Zacher

Auf den Titel seines neuen Albums hat Milow sich erst Ende 2021 festgelegt. Vorher hatte er "Whatever It Takes" als Überschrift seiner neuen Songfolge im Sinn, aber dann gaben gleich zwei Gründe den Ausschlag für "Nice To Meet You". Zum einen verspürte der 40-jährige Musiker das Bedürfnis, sich nach der pandemiebedingten, belastenden Zwangspause wieder vorzustellen und über seine Musik ein erneutes, ein besseres gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Andererseits ist "Nice To Meet You" der persönlichste Song, den Milow auf seinem neuen Album präsentiert: Zum ersten Mal überhaupt erzählt er von seinen beiden Kindern und von seiner Rolle als Vater. Das ist ein großer Schritt für jemanden, der sein Privatleben ganz bewusst aus der Öffentlichkeit herausgehalten hat. "Nice To Meet You" ist für Milow thematisch keine Einbahnstraße, denn von seinen Kindern lernt er ebenso, wie sie von ihm lernen. Das gilt für jegliches Kennenlernen und auf seinem aktuellen Album erzählt Milow ganz bewusst persönliche Geschichten, die den Beginn eines intensiven Austauschs zwischen ihm und seinem Publikum markieren können.  

Ich denke, dass ich heute weniger Filter habe, weniger Mauern um mich selbst herumbaue. Ich versuche, noch ungefilterter ehrlich und persönlich zu sein.

Milow

Der 1981 als Jonathan Ivo Gilles Vandenbroeck in Antwerpen geborene Belgier äußert gegenüber Bremen Eins, dass er ganz bewusst begonnen habe, die Mauern um sich herum abzubauen. Dadurch hat er eine Unbefangenheit und eine Leichtigkeit gewonnen, die ihn vom "You don’t know anything about me" seiner frühen Musikertage hingeführt haben zu einer sehr persönlichen Musiksprache. Milow hofft, dass seinem neuen Album anzumerken ist, dass er sich musikalisch wohlfühlt. Er selbst empfindet es jedenfalls als frisch, sehr inspiriert und erfüllt von melodischen Gedanken, wie sie den Beginn seiner Songwriter-Karriere geprägt haben.

Ich habe ein ganz frisches Inspirationsgefühl für diese Songs gefunden – ein bisschen wie am Anfang meiner Karriere.

Milow

Von Lebensfreude getriebene Songs wie "Doc Doc Doctor" und "DeLorean" – eine Hommage an den durch die Science-Fiction-Film-Trilogie "Zurück in die Zukunft" zum Kultauto mutierten Sportwagen mit Flügeltüren - verkörpern geradezu Milows frisches Inspirationsgefühl. Offensichtlich inspiriert sind auch die verschiedenen Produzenten an die zwölf gut durchhörbaren Songs herangegangen. Mit dabei sind unter anderem einer von Milows Songwritingpartnern, der in Deutschland lebende Kanadier Martin Gallop, und der Berliner Musiker Nicolas Rebscher, der den Hit "No Roots" von Alice Merton mitgeschrieben hat. Sie alle sorgen dafür, dass Milow seine einnehmende Songfolge zwischen tänzerischen Rhythmen und zarten Farben aufblättern kann.

Ich habe gefühlt, dass ich ganz viele Ideen hatte, ganz viel Kreativität und das hat mir ein bisschen geholfen, dieses Album zu machen.

Milow
Milow
Bild: Universal Music | Kevin Zacher

Rückblickend stellt Milow fest, dass er in den vergangenen zwei Jahren überaus produktiv gewesen ist. Anstatt sich von der Pandemie in eine kreative Lähmung drängen zu lassen, hatte er ganz im Gegenteil viele Ideen und sprühte vor Kreativität. Dazu kam durch die Aufnahmen in Europa ein Gefühl des Wieder-nach-Hause-Kommens, welches dem sympathischen Sänger einmal mehr vermittelte, musikalisch zu seinen Wurzeln zurückgekehrt zu sein. Seine Songs in Holland, Belgien und Deutschland aufgenommen zu haben, passe perfekt in diese Zeit seines Lebens, bekräftigt Milow.

Das Leben funktioniert so, ja, es geht gut, und dann passiert etwas und dann hast du wieder Zweifel.

Milow

Aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Das musste Milow erfahren, als im April 2021 sein langjähriger Schlagzeuger Oscar Kraal nach schwerer Krankheit im Alter von 50 Jahren starb. Wie es nun mit dem Album weitergehen sollte, war die Frage, die Milow sich stellen musste. Die Idee, ein durchgehend fröhliches Uptempo-Album aufzunehmen, war in sich zusammengefallen. Milow entschied, nicht noch einmal bei null zu beginnen, sondern neben seiner optimistischen Grundeinstellung nun auch Melancholie und Trauer Teil seiner neuen Platte werden zu lassen. Mit dem seinem Drummer gewidmeten zarten "Oscar" schließt er nun sein Album ab und gibt damit auch der dunklen Seite des Lebens ihren Raum. Jetzt würde "Nice To Meet You" noch besser die letzten beiden Jahre repräsentieren, lautet Milows Fazit.   

Ich fühle mich wie ein richtig europäischer Künstler.

Milow
Der Sänger Milow in einem buten Hemd vor einer Wand
Bild: Sanja Marusic

Ende letzten Jahres war der sich als europäischer Künstler empfindende Musiker davon ausgegangen, mit elf neuen Songs alles beisammen zu haben. Doch im Januar 2022 überkam ihn das unerklärliche Gefühl, dass ein Song noch fehle. Milow brauchte eine Klammer zwischen den drei ruhigen Songs "Lost Boys", "Nice To Meet You" und "Oscar" sowie den bewegten Nummern wie "Whatever It Takes" oder "Guinnes Book Of Records". Also schrieb er im Februar - nur eine Woche vor Toresschluss - noch die aktuelle Single "How Love Works". Damit hatte er nun auch der seinem Album zugrunde liegenden Botschaft seine Stimme gegeben: der Frage nach der Liebe zu seinen Nächsten. Dass diejenigen, die seine "Nice-To-Meet-You"-Platte anhören, diese Botschaft nach dem "großen Beziehungstest der letzten zwei Jahre" erkennen, das ist Milows große Hoffnung. Sich seinen Optimismus allen negativen Lebenserfahrungen zum Trotz bewahrt zu haben, sich auch den großen Fragen menschlicher Beziehungen zu nähern und dann auch noch zur musikalischen Unbefangenheit der frühen Jahre zurückzufinden – das ist schon eine beachtliche Bilanz. Und die klingt nicht nur in Milows Ohren sehr gut.

Milow "Nice To Meet You"
Homerun Records
EAN: 0886449475438
VÖ: 20.05.2022

Die Songs

TitelDauer
Whatever It Takes02:53
Guinnes Book Of Record03:08
DeLorean02:54
Asap03:03
Nice To Meet You03:07
How Love Works02:54
Thinking Big03:04
Donkey Kong02:46
Doc Doc Doctor02:25
Tomorrow Comes Too Soon03:26
Lost Boys03:43
Oscar02:49

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 23. Mai 2022, 16:40 Uhr