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Album der Woche - Westward Joshua Hyslop schickt aus Kanada einfühlsamen Folk-Pop vom Feinsten

Autor

Der im kanadischen Vancouver lebende Singer-Songwriter Joshua Hyslop versteht sich wie kaum ein anderer auf die Kraft der leisen Töne. Das beweist er mit seinem neuen Album ”Westward”, welches sich auf sanften Noten den Themen Vergänglichkeit, Hoffnung und Aufbruch nähert.

Albumcover Joshua Hyslop "Westward"
Bild: Nettwerk
Albumcover Joshua Hyslop "Westward"

So klingt "Westward" von Joshua Hyslop

So klingt das Album von Joshua Hyslop

Bild: Nettwerk

Das am 22. April erschienene 5. Studioalbum des am 22. Juli 1987 in der kanadischen Provinz Saskatchewan geborenen Songwriters mit der einnehmenden Stimme setzt ganz auf die nachhaltige Wirkung wohlklingender Songs. Der von Joshua Hyslop gewählte Albumtitel ”Westward” baut auf der Magie dieses Wortes auf, welches für Aufbruch, das große Unbekannte und räumliche Weite stehen kann. Laut Hyslop spiegeln seine neuen Songs eine tiefere Bedeutung von ”Westward” wider: Dass man sich weiterentwickeln und nicht auf dem Erreichten gemütlich einrichten sollte.

Jeder dieser Songs beschäftigt sich auf die eine oder andere Weise damit, dass man sich vorwärtsbewegen und nicht auf der Stelle treten sollte.

Joshua Hyslop

Diese Aufbruchsthematik offenbart sich nicht unbedingt in einzelnen Songs, sondern über das Album als Ganzes. Dann wird auch die musikalische Intensität spürbar, die Hyslop trotz seines zurückhaltenden Stils entwickelt. Ein gutes Beispiel für diese verborgene Kraft bietet die Singleauskopplung “More Than This“, die sich auf watteweichem Sound in einen nachhaltigen Appell zum Weitermachen, zum Nicht-Aufgeben verwandelt. In dieser Single wie auch in “Faded Colours“ erzählt Joshua Hyslop definitiv seine eigene Geschichte. In den übrigen Songs beschäftigt er sich mit Dingen, über die er nachdenkt, oder mit Begebenheiten, die Freunde von ihm erlebt haben. “The Veil“ hat er einem verstorbenen Freund gewidmet – und selbst in diesem tieftraurigen Lied wirft die Sonne bereits ihren ersten Lichtschimmer in den dunklen Nebel des Verlusts.    

Die Pandemie hat Dinge für mich verändert, da ich eine Persönlichkeit bin, die ziemlich in sich hineinhorcht.

Joshua Hyslop

Joshua Hyslop hat Bremen Eins erzählt, dass die Pandemie selbstverständlich auch Auswirkungen auf sein Leben und seine Musik gehabt hat. Die Art, wie er sich Songs ausdenke oder musikalische Ideen entwickele, habe sich verändert, gibt er zu. Darüber hinaus verspürte Hyslop den Druck, Lebenszeichen von sich zu geben, indem er von Zuhause aus Livestreams auf Instagram und Facebook erstellte. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen, die er daraufhin erhalten hat, haben ihm gezeigt, wie sehr er den Menschen mit seiner Musik Halt geben kann. Das sei ganz schön cool gewesen, stellt der Musiker rückblickend fest.

Es gibt aber ein Ereignis, das ihn noch mehr geprägt hat als die Pandemie, berichtet Hyslop, denn zu Beginn der Arbeit an seinem neuen Album ist er zum allerersten Mal Vater geworden. Das Bild, das der in sich hineinhorchende Musiker zuvor von sich selbst hatte, änderte sich nachhaltig. Einerseits zum Besseren, wie er feststellt, andererseits hat er das alles aber auch als Weckruf empfunden. Als Ansporn, niemals aufzugeben, immer weiterzumachen und sich Schritt für Schritt voranzubewegen.  

Dieser ganze Entstehungsprozess, ins Studio zu gehen und aus dem Nichts heraus etwas zu schaffen, hat für mich niemals an Reiz verloren.

Joshua Hyslop
Joshua Hyslop
Joshua Hyslop Bild: IAMJOHNYOO

Seine Songs denkt Joshua Hyslop vom Musik „spielen“ her, er empfindet es als seine Bestimmung, Freude zu bereiten. Das mag merkwürdig klingen angesichts seiner häufig getragenen Melodien. Der Singer-Songwriter mit der überraschend tiefen Sprechstimme betont jedoch, dass er für seine Alben brenne und ihm gerade bei “Westward“ der Entstehungsprozess aus dem Nichts heraus mehr Spaß gemacht habe als alles, was er je zuvor gemacht hat.

Songwriting und Aufnahmen liefen jedoch pandemiebedingt anders ab als sonst. Normalerweise igelt Joshua Hyslop sich für 14 Tage im Studio ein und kann dann auf eine ziemliche Menge aufgenommener Musik zurückgreifen. Diesmal allerdings konnte er mit seinem langjährigen Freund und Produzenten John Raham im Studio in Vancouver immer nur zwei bis drei Songs aufnehmen. Der Rest musste liegengelassen und beim nächsten Mal wieder aufgegriffen werden. Das hat den beiden ein Gefühl von Dringlichkeit vermittelt, da schlicht die Zeit fehlte, sich über die Maßen in klangliche Details und einzelne Tonspuren zu verbeißen. Seinem Sound habe dieser Zeitdruck aber gutgetan, betont Hyslop, denn den empfindet er als einzigartig. Auf jeden Fall wirken seine neuen Songs innerhalb der sie verbindenden Folk-Klammer stilistisch recht breit aufgestellt.

Generell bedeutet Kunst doch ständiges Wachsen und Verändern.

Joshua Hyslop

Joshua Hyslop pflanzt seine musikalischen Bäume auf dem reichhaltigen Humus von Folk, Country und Singer-Songwriter-Pop. Seine klar produzierten Songs stellen seinen teils wie hingehaucht wirkenden Gesang klar in den Vordergrund, auch wenn etwa die fleißig plappernden Banjos in “Faded Colours“ oder die Trompete in “Older“ klangliche Gegenakzente setzen. Manchmal fühlt man sich in die Klangwelt von Simon & Garfunkel zurückversetzt. Als Gesamteindruck hinterlässt das Album “Westward“ etwas zutiefst Melancholisches, aber auch in hellen Sphären Schwebendes, mitunter eine Ahnung von Schwerelosigkeit. Wachstum und Veränderung sind es, die Hyslop als Kernmomente von Kunst begreift.

Ich begrüße die Veränderung, denn sie bedeutet Nachjustierung und vielleicht eine neue Sichtweise, was doch nur etwas sehr Gutes sein kann.

Joshua Hyslop
Joshua Hyslop
Joshua Hyslop Bild: IAMJOHNYOO

Der auf Fotos häufig mit leicht entrücktem Blick in die Ferne schauende Musiker möchte auf seinem neuen Album auch vermitteln, dass er sich als Songwriter weiterentwickelt hat. Er sei weniger ängstlich und sicherlich auch erfahrener geworden und wolle in seinen Songs auch die verletzlichen Seiten seiner Persönlichkeit zeigen, betont Hyslop gegenüber Bremen Eins. Den Angstzuständen, die ihn angesichts von Pandemiegeschehen und erstmaliger Vaterschaft ansprangen, hat er sich mit dem festen Willen zur Veränderung entgegengestellt. Er hoffe in fünf und dann wieder in zehn Jahren sagen zu können, dass er sich kontinuierlich gefordert und bestmöglich weiterentwickelt habe, stellt er klar. Das Vermitteln von Trost und Stärke war schon ein Anliegen seines 2018 veröffentlichten dritten Albums “Echos“. Jetzt, vier Jahre später, fokussiert Joshua Hyslop sich auf die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens, die einen davon abhalten, sich der Hoffnungslosigkeit hinzugeben. Dass Veränderungen uns voranbringen können, ist eines der allumfassenden Gefühle, die er mit seinem Album “Westward“ vermitteln möchte.

Vielleicht ist dieses ja eine dunkle und beängstigende Welt – aber es gibt immer noch Hoffnung, die uns zusammenbringt.

Joshua Hyslop

Joshua Hyslops zweites großes Thema ist die Hoffnung. Selbst wenn er über die traurigsten Dinge seine Songs schreibt, so versucht er dabei immer auch seinen Blick auf den entscheidenden Hoffnungsschimmer zu wenden. “Carry on“ singt er in seinem gleichnamigen Lied wie ein persönliches Mantra so häufig, dass sein Produzent vorsichtig protestierte. Es blieb aber dabei, denn Joshua Hyslop weiß bei all seiner musikalischen Sanftheit offenbar doch genau, was er will. Und wenn er seine Songs passend zu einer Welt, die immer finstererer und beängstigender erscheint, überwiegend in dunkel getönte Klangfarben kleidet, so ist seine Botschaft doch ganz klar: Nicht aufgeben - zusammen schaffen wir das! Und gut klingen tut das Ganze auch noch.

Joshua Hyslop ”Westward”
Nettwerk
EAN: 9705038627304
VÖ: 22. April 2022

Die Songs

TitelDauer
Pines4:19
The Veil3:59
Carry On4:22
No Stopping Now3:45
Faded Colours3:32
Older3:47
Westward3:22
Hard Rain3:34
How This Started3:26
Cedar0:47
More Than This4:38

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 16. Mai 2022, 16:40 Uhr