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Der Mittag mit Roland Kloos

Album der Woche John Mayer – auf “Sob Rock“ sehr reduziert, aber auch sehr intensiv

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“Sob Rock”, was für ein seltsamer Albumtitel – doch dahinter verbergen sich zehn gelassen strömende und locker pulsierende Songs. John Mayer stellt wieder einmal unter Beweis, dass er die Kunst, mit wenig Aufwand große Wirkung zu erzielen, bis in die virtuosen Fingerspitzen beherrscht.

John Mayer
Bild: Columbia

So klingt "Sob Rock" von John Mayer

So klingt das Album von John Mayer.

John Mayer
Bild: Columbia
Bild: Columbia

Vier Jahre – im Popbusiness eine kleine Ewigkeit – hat John Mayer sich mit der Veröffentlichung eines neuen Albums Zeit gelassen. Wir erinnern uns: 2017 hatte Mayer sein “The Search For Everything“ häppchenweise ins Licht der geneigten Öffentlichkeit getragen. Und auch jetzt, mit seinem am 16. Juli veröffentlichten Album “Sob Rock“, gibt der mit bereits sieben Grammys ausgezeichnete Musiker wieder den Meister der feindosierten Wasserstandsmeldungen. So verkündete er am 21. März über TikTok, dass sein neues Album bereits fertig sei, er es in den letzten Monaten mit Freunden geteilt und im Übrigen gechillt habe. Drei Tage später säuselte er seinen Fans dann ein relaxtes “It’s still okay to do nothing“ ins Ohr. Nun, das Warten hat ein Ende und wir treffen bei “Sob Rock“ auf alte Bekannte: Neben der aktuellen Single “Last Train Home“ sind es das bereits 2018 veröffentlichte “New Light“ sowie die im darauffolgenden Jahr herausgekommenen Songs “I Guess I Just Feel Like“ und “Carry Me Away“. Zusammen mit sechs weiteren Titeln formen sie nun auf John Mayers achtem Studioalbum eine raffiniert schimmernde Kette aus mit feinem Pinsel in gedeckten Farben gemalten Songs.

Ich habe mich gefragt, welche Musik mir das Gefühl vermittelt, dass alles gut werden wird. Und das ist die Musik, die ich als Kind in den 80ern gehört habe.

John Mayer

Bei “The Search For Everything“ hat John Mayer sich noch auf Einflüsse der 70er-Jahre berufen und dabei explizit “Rumours“ von Fleetwood Mac genannt. Jetzt sind es die 80er, die ihm den nötigen Rückenwind für ein Album gegeben haben. Als John Mayers Rudergänger gibt Keyboarder und Ex-Toto-Mitglied Greg Phillinganes zusätzlich entsprechende akustische Signale. Ebenfalls mit Toto gearbeitet hat auch Mayers Perkussionist Lenny Castro. Gegenüber dem Wall Street Journal spricht John Mayer in diesem Zusammenhang von einem Geborgenheitsgefühl, wie eine Schmusedecke es vermitteln könne.

John Mayer
Bild: Sony | Carlos Serrao

Der Grund, warum mein Album auf so eine ganz andere Weise dramatisch ist, liegt darin, dass ich abwarten muss, bis mir die Idee für ein Drehbuch kommt. Ich beginne das, was ich mache, mehr mit den Augen eines Filmregisseurs zu sehen.

John Mayer

“Sob Rock“ ist beileibe kein Kind der Spontaneität, wie es vielleicht die plötzlich aufploppende Werbung in den U-Bahn-Stationen von New York und Los Angeles suggerieren könnte. Ganz im Gegenteil waren alle Songs - anders als beim Vorgängeralbum - schon geschrieben, bevor John Mayer in die Henson Recording Studios in Los Angeles ging, um dort wieder einmal in Zusammenarbeit mit seinem vertrauten Starproduzenten Don Was sein musikalisches Drehbuch in die Tat umzusetzen.

Ich mache keine Platte, bevor ich nicht ein Leitbild dafür habe, wie die Musik sein und welche Botschaft dahinterstehen sollte. Wenn ich das erfasst habe, fällt mir das Songwriting etwas leichter.

John Mayer

Es mag verwunderlich klingen, aber die Botschaft, die John Mayer hinter “Sob Rock“ sieht, heißt „Freude“. Denn für den Musiker bot die Arbeit im Studio in dunklen Zeiten das Privileg, sich über gelungene Songs einfach nur freuen zu können. Und so haftet Mayers lässigem Spiel mit den Sounds von Toto, Bruce Hornsby oder Don Henley eine Luftigkeit an, die Sphären entfernt liegt von jeglicher billigen Kopie einer vergangenen Dekade.

Die Idee hinter dem Albumtitel “Sob Rock“ ist die, falsche Erinnerungen ins Hirn einzupflanzen. Das ist zumindest bei mir so gewesen.

John Mayer
John Mayer
Bild: Sony Music | Carlos Serrao

“Sob Rock“, also rührseliger Rock, ist ein von John Mayer bewusst gewählter unscharfer und vieldeutiger Albumtitel. Für den Ausnahmegitarristen, der in die Rolle eines Psychoanalytikers des Pop zu schlüpfen scheint, steht das Spiel mit unerfüllten Erwartungen und unscharfen oder falschen Erinnerungen im Mittelpunkt seines neuen Albums. Der mit Albumverkäufen in Millionenhöhe und Streams im Milliardenbereich auftrumpfende Musiker stellt sich in seinen neuen Songs die Frage, ob man Erinnerungen an Dinge haben kann, die gar nicht geschehen sind. Klingt in der Theorie kompliziert, musikalisch dagegen aber einfach unaufgeregt und gut. Die Ballade “Why You No Love Me“ spiegelt diese Doppelgesichtigkeit wider. Mayer betont, dass er nie zuvor einen so brutalen Text geschrieben habe. Diesem gegenüber steht die zarte Musik mit einem grammatikalisch nicht ganz korrekten Titel, der sich sprachlich an Mayers Kindheitserinnerungen anlehnt.

Manchmal muss man einfach die Wahrheit mit Gitarre zum Ausdruck bringen – und danach kann man wieder ein paar Hits spielen.

John Mayer
John Mayer
Bild: Sony Music | Carlos Serrao

Wenn John Mayer mit Bezug auf seinen bereits im Frühjahr 2019 veröffentlichten Song “I Guess I Just Feel Like“ von Wahrheit spricht, dann macht er damit deutlich, dass er nicht auf kurzlebige Trends setzt. „Brich aus dem gewohnten Trott aus und erschaffe etwas Einzigartiges“, lautet sein musikalisches Motto. Auch wenn der 1977 in Bridgeport in Connecticut geborene Songwriter sich auf die 80er bezieht, so bleibt er seinem Personalstil doch auch auf “Sob Rock“ treu. John Mayer steht nicht für aufwendige, explosive Melodien, sondern für gelassen dahinströmende Sounds. Generell erzielt er mit reduziertem Aufwand intensive Wirkung. Er agiert hinter seiner PRS Silver Sky Signature-Gitarre, die er auf dem Video zur Single “Last Train Home“ in einer neuen pinkfarbenen Ausführung spielt, immer tiefenentspannt und voller positiver Vibes. Mayers Balance zwischen Lockerheit und Intensität ist so etwas wie sein musikalisches Alleinstellungsmerkmal. Und so verströmt auch “Sob Rock“ einen geradezu umarmenden Ruhepuls. Beschleunigt wird dieser lediglich, wenn John Mayer ab und zu die Zügel schießen und sich zu kleinen Gitarrenausbrüchen verleiten lässt. Aber schnell kehrt er wieder in den kontrollierten Grundton seines Albums zurück. In “Wild Blue“ klingt Mayer mit seiner Gitarre dann auch haargenau so wie sein ebenso tiefenentspannter Kollege Mark Knopfler.

Ich wollte nie der Künstler sein, dem die Farben ausgehen und der dann beginnt, immer und immer wieder dieselben Songs zu schreiben.

John Mayer

“Sob Rock“ ist ein absolut lässiges Album. John Mayer singt komplett ohne Druck, bisweilen fast wie in Trance, aber verströmt dennoch eine vibrierende Intensität. Man kann sich gut in die sanft aufgeladene Atmosphäre seiner neuen Songfolge hineinfallen lassen. Mit dem Abschlusstitel “All I Want Is To Be With You“ gönnt Mayer sich am Ende dann doch eine emotional aufgeladene Steigerung und lässt seiner Gitarre noch einmal ihren Lauf. Das mit den 80ern ist mehr ein Etikett, denn John Mayer hat aus dieser pophistorischen Dekade sein ganz eigenes Destillat erzeugt. Ein Künstler ohne Farbe ist er weder als Songwriter, noch als Gitarrist. John Mayer bleibt eben einfach er selbst, getreu der Devise: „Mache aus wenigem unendlich viel!


Die Songs

TitelDauer
Last Train Home3:07
Shouldn't Matter but It Does3:56
New Light3:37
Why You No Love Me4:15
Wild Blue4:12
Shot in the Dark4:09
I Guess I Just Feel Like4:46
Til the Right One Comes3:39
Carry Me Away2:39
All I Want Is to Be With You4:04

John Mayer “Sob Rock”
SMI/ Columbia International
EAN: 0886449203543
VÖ: 16. Juli 2021

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 26. Juli 2021, 16:40 Uhr