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Der Nachmittag mit Roland Kloos

Album der Woche Imelda May schreibt einfach die Songs, die sie schreiben möchte

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Sie selbst sagt, sie habe 15 Jahre ihrer Karriere für einen bestimmten Musikstil gestanden: Rockabilly. Dass die irische Sängerin Imelda May musikalisch aber erheblich vielschichtiger aufgestellt ist, beweist sie eindrücklich mit ihrem aktuellen Album “11 Past The Hour“.

Imelda May - Cover vom Album der Woche "11 Past The Hour"
Cover vom Album der Woche "11 Past The Hour" von Imelda May Bild: Universal Music | Eddie Otchere

So klingt "11 Past The Hour" von Imelda May

So klingt "11 Past The Hour" von Imelda May

Audio vom 30. April 2021
Imelda May - Cover vom Album der Woche "11 Past The Hour"
Cover vom Album der Woche "11 Past The Hour" von Imelda May Bild: Universal Music | Eddie Otchere
Imelda May Album der Woche
Imelda May Bild: Universal Music | Eddie Otchere

In ihren am 16. April veröffentlichten elf neuen Songs zelebriert die Sängerin mit dem raffinierten Look eine glamouröse Melange aus Rock und filmmusikalischer Opulenz, aus schwermütiger Balladenseligkeit und Grunge. “11 Past The Hour“ ist ganz klar ein Album der dunklen Farben und erdigen Rhythmen. Fluffig geht anders, aber Imelda May stößt die Tür zu einem dämmrigen Klangraum voller bittersüßer Verlockungen auf.

Das Einzige, was ich in diesem Album als verbindendes Element sehe, ist die Liebe. Anders gesagt, die Liebe in all ihren Erscheinungsformen, denn die Liebe zeigt sich in vielfältiger Gestalt.

Imelda May

Der rote Faden, der Imelda Mays neues Album zusammenhält, ist die Liebe in all ihren Schattierungen. Die Sängerin spricht dabei von der universellen Liebe, scheut aber in “Just One Kiss“ im Duett mit ihrem langjährigen Freund Noel Gallagher auch nicht vor eindeutigen sexuellen Anspielungen zurück. Sie habe „zum Anheizen eine schmutzige, kleine, sexy Rock’n’Roll-Nummer“ gebraucht, gibt Imelda May zu. Für den angemessen dreckigen Gitarrensound sorgt dabei ihr Kumpel Ron Wood. Beide kennen sich, seit die damals 16-Jährige in ihrer Heimatstadt Dublin erstmalig mit dem Stones-Musiker zusammen auf einer Clubbühne gestanden hat.

Ich habe versucht Kopf und Herz zusammenzubringen; denn ein kreativer Schub ist bei mir wie elektrischer Strom, der nicht zu stoppen ist.

Imelda May
Imelda May Album der Woche
Imelda May Bild: Universal Music | Eddie Otchere

Überhaupt hat die Zusammenarbeit mit anderen einen enormen kreativen Schub bei der 1974 als Imelda Mary Clabby geborenen Musikerin ausgelöst. Sie, die normalerweise ihre Songs allein schreibt, hat sich nun mit anderen zusammengetan und sich damit auf eine musikalische Reise begeben, die sie weg von den allzu vertrauten Regionen geführt hat. Sie sei zu bequem geworden, gibt Imelda May zu. Also hat sie bei der Entstehung ihres mittlerweile 6. Studioalbums auf die musikalische Expertise ihrer Koproduzenten Tim Bran und Davide Rossi gesetzt. Bran, der unter anderem für The Verve und London Grammar tätig geworden ist, und Rossi, der regelmäßig die Streicherarrangements für Coldplay schreibt, haben Imelda May mit musikalischen Vorschlägen versorgt, welche diese dann mit kaum zu stoppender Energie ausgearbeitet hat. Sie habe Kopf und Herz zusammenbringen wollen und wie eine Verrückte gearbeitet, erinnert die Songwriterin sich.

Während des Lockdowns habe ich geschrieben wie verrückt und auch an einem Gedichtband gearbeitet. Ich denke, ich bin im Laufe dieses Lockdowns kreativer als jemals zuvor gewesen.

Imelda May

Um es klar zu sagen, “11 Past The Hour“ ist keines dieser zahlreichen „Lockdown-Alben“, denn etliche der neuen Songs von Imelda May sind bereits 2019 entstanden. Sie seien aber trotzdem wie gemacht für diese allen so viel abverlangenden Pandemiezeiten, stellt die irische Songwriterin klar. Auch habe sie das Glück gehabt, vieles vor dem Lockdown in Londoner Studios aufnehmen zu können. Dennoch musste auch sie bei der Entstehung ihres neuen Albums von den vertrauten Pfaden abweichen. So habe sie etwa ihre Backing Vocals mit dem Smartphone aufgenommen und der Prozess des Mixens sei eine echte Herausforderung gewesen. Alles habe viel länger gedauert und sei durch das Hin- und Herschicken der verschiedenen Takes komplizierter gewesen. - Aber Spaß gemacht hat es trotzdem und Imelda May dermaßen beflügelt, dass sie während des Lockdowns auch an einem Gedichtband arbeiten konnte.

Ich höre auf mein Herz und schreibe, was es mir sagt. Ich vertraue meinem Feeling und formuliere das aus, was ich sagen möchte.

Imelda May
Imelda May Album der Woche
Imelda May Bild: Universal Music | Eddie Otchere

Imelda May lehnt die stilistische Einordnung ihrer Musik entschieden ab. Das Gefühl allein zählt für sie. Wenn ihre Songs also etwas in den Menschen auslösen, so hat sie ihren Job gut gemacht. Entweder berühre ihre Musik oder eben nicht, sagt sie klipp und klar. Ihr Album “11 Past The Hour“ nun atmet einen leicht morbiden Charme, der uns in Form von Imelda Mays zwischen Bedrohung und Verheißung fiebernder Stimme sanft, aber unnachgiebig einfängt.

Ihre Gedichte versucht Imelda May normalerweise von ihren Songtexten zu trennen und möchte sie nicht in Lieder verwandelt sehen. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Denn das getragene “Solace“ baut nun doch auf einem ihrer Gedichte auf. May und ihr Koautor, der Züricher Songwriter und Gitarrist Pedro Vito, saßen nach einer After-Show-Party von U2 arg verkatert zusammen und kamen daher mit dem Songwriting nicht so recht voran. Vito hatte dann in ihrer aufgeschlagenen Gedichtsammlung “Solace“ entdeckt und gesagt: „Das muss ein Song werden!“. Und da Imelda May für sich selbst in Anspruch nimmt, keine Regeln aufzustellen, um ihre Songs in eine bestimmte Richtung zu lenken, hat sie auch hier auf ihr Herz gehört. Sie formt ein stimmiges Album aus den Songs, die bereits geschrieben sind, ohne vorher ein starres Konzept festgelegt zu haben. Sie vertraut da ganz ihrem Feeling – und gerade darin mag auch der Reiz ihres aktuellen Albums liegen.

Ich habe meine Komfortzone verlassen und mich mit meinen Texten und meiner Musik an Orte begeben, die ich von allein nicht aufgesucht hätte. Diese Möglichkeit, mich auf meine Stärken konzentrieren zu können, ist für mich ziemlich befreiend gewesen.

Imelda May

Als Songwriterin hat Imelda May laut eigenem Bekunden einen großen Sprung nach vorn gemacht. Indem sie mit anderen Musikern zusammenarbeitete, konnte sie ihre Komfortzone verlassen, in welcher Bequemlichkeit ihre Kreativität zu überwuchern drohte. Und so hat die irische Sängerin sich nicht nur von ihrem Landsmann und neuen Freund, dem Singer-Songwriter und Schauspieler Niall McNamee musikalisch begleiten lassen. Die mit Imelda May befreundeten Frauenrechtlerinnen Gina Martin und Shola Mos-Shogbamimu etwa haben Mays Plädoyer für die Liebe “Made To Love“ ihre kämpferischen Stimmen geliehen.

Das Leben ist es, woraus ich meine Inspiration beziehe! Und je intensiver man es lebt, desto inspirierender wird es!

Imelda May

Imelda May ist hungrig nach Leben – vielleicht in Pandemiezeiten noch mehr als sonst. Und dieser Daseinshunger brodelt unterschwellig in jedem ihrer neuen Songs – egal, ob es sich um den von verzehrender Sehnsucht getragenen Titeltrack "11 Past The Hour" handelt oder um das selbstloser Liebe gewidmete, gemeinsam mit Niall McNamee gesungene Duett “Don’t Let Me Stand On My Own“. Ehrlich sei ihr neues Album, betont Imelda May, das ist ihr wichtig. Sie möchte mit ihrer Musik zu denjenigen, die sich dieses Album anhören, eine Verbindung aufbauen. Schließlich schreibt sie nur die Songs, die sie wirklich schreiben möchte. Und wenn sie dann gesagt bekommt, sie habe das in Worte fassen können, was man selbst nicht auszudrücken vermöge, dann gibt ihr das die Bestätigung, künstlerisch auf dem richtigen Weg unterwegs zu sein. Imelda May hat sich aus dem Rockabilly-Kokon geschält und breitet auf "11 Past The Hour" mit seiner abwechslungsreichen Songfolge ihre Flügel aus. Wie ein Nachtfalter – unerwartet, ungewöhnlich, aber im Endeffekt doch wunderschön.

Christian Höltge

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Die Songs

TitelDauer
11 Past The Hour3:59
Breathe3:24
Made To Love3:25
Different Kinds Of Love3:01
Diamonds2:59
Don't Let Me Stand On My Own3:37
What We Did In The Dark3:33
Can't Say3:47
Just One Kiss3:22
Solace3:35
Never Look Back3:27

Imelda May “11 Past The Hour”
UMI/Decca Records
EAN: 9705800150108
VÖ: 16. April 2021

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 3. Mai 2021, 16:40 Uhr