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Der Nachmittag mit Sabine Szimanski

Album der Woche Bryan Adams gibt den unerschütterlichen Optimisten

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Da steht der kanadische Superstar Bryan Adams auf dem Cover seines neuen Albums "So Happy It Hurts" in einer Art Siegerpose auf der Fronthaube eines Cabrios. Doch Halt, etwas stimmt da nicht so ganz: Er posiert auf einem aufgebockten Chevrolet Corvair ohne Räder!

Der Musiker Bryan Adams mit Gitarre
Bild: BMG Rights Management (US) LLC
Der Musiker Bryan Adams mit Gitarre

So klingt Bryan Adams Album "So Happy It Hurts"

So klingt Bryan Adams Album "So Happy It Hurts"

Bild: BMG Rights Management (US) LLC

Das unter der Regie von Bryan Adams entstandene Video zum Titelsong "So Happy It Hurts" verdeutlicht dann die Botschaft, die hinter den zwölf neuen Songs des gleichnamigen Albums steht: Freiheit und Spaß erwachsen aus einem selbst heraus, selbst wenn es nüchtern betrachtet so gar nicht vorangeht. Mit einer gehörigen Portion Fahrtwind in den perfekt gegelten Haaren also rockt der mittlerweile 62-Jährige über weite Strecken gewohnt schnörkellos voran, als gäbe es kein Morgen.   

Der Sound meines Albums ist Rock!

Bryan Adams

Um es vorwegzunehmen, selbstverständlich bleibt sich der kanadische Erfolgsgarant auch bei seinem (den zusammen mit Hans Zimmer geschriebenen Soundtrack zum Animationsfilm "Spirit: Stallion Of The Cimarron" dazugerechnet) 15. Studioalbum im Großen und Ganzen treu. Seine neuen Songs sind relativ schlicht, aber wirkungsvoll arrangiert. Das am 11. März veröffentlichte "So Happy It Hurts" ist alles in allem ein richtiges Rock-Album ohne überflüssigen Klangballast und fokussiert aufs Wesentliche. Dazu gehört natürlich auch die unverkennbare, leicht heisere Stimme von Bryan Adams. Mal wirft ein cooles Gitarrenriff wie bei der aktuellen Single-Auskopplung "Never Gonna Rain" den Rock-Motor an, mal ist es ein an CCR erinnerndes Uptempo, welches bei "I’ve Been Looking For You" für die angemessene Drehzahl sorgt. Wo nötig, tippt Adams auch einmal leicht auf die Bremse und bringt sein Gefährt in etwas ruhigeres Fahrwasser wie im Schlusstitel "These Are The Moments That Make Up My Life". Aber PS-stark bleibt der 1998 mit der höchsten Auszeichnung seines Heimatlandes als "Officer of the Order of Canada" geehrte Musiker jedenfalls sein ganzes Album hindurch unterwegs. Dessen Sound sei Rock, stellt Adams dann auch im Gespräch mit Bremen Eins klar.

Der Albumtitel und der Titelsong beziehen sich auf diese Wahrheit, dass die Pandemie uns allen die Spontaneität genommen hat.

Bryan Adams
Der Musiker Bryan Adams in einem Auto, das aufgebockt ist
Bild: BMG Rights Management (US) LLC

Soweit die auf den ersten Blick unverwüstliche Oberfläche dieses Rock-Albums. Unter dieser offenbart Adams jedoch den tiefgehenden Blick eines erfolgreichen Fotografen, der er ja auch noch ist, auf die Schrunden und Verwerfungen, die von der Pandemie in unser Leben gerissen worden sind. Es ist zuallererst der Verlust der Spontaneität, dieser Wegfall an Möglichkeiten einfach rauszugehen, ein Restaurant zu besuchen oder Freunde zu treffen, der den mit internationalen Preisen reich bedachten Künstler dazu bewogen hat, Pandemie und Lockdown für ein neues Album zu nutzen. Der alltägliche Vorgang des Befahrens einer Straße gerät bei Adams zum Freiheits-Kick. Denn die freie Bahn sei ja gerade den Musikern während der Pandemie versperrt gewesen, betont er.

Das Album behandelt eine Reihe von flüchtigen Dingen im Leben, in denen jedoch genau genommen das Rezept zum Glück schlummert.

Bryan Adams

Negatives in Positives verwandeln möchte Bryan Adams mit seinem aktuellen Album. Darum geht es gerade auch in seinem Song "Never Gonna Rain". Man könne den Regen auch als Geschenk begreifen und sein Gesicht ins Wetter drehen, anstatt sich runterziehen zu lassen, singt Adams mit ungebrochenem Optimismus. Und wenn er dabei nicht in die Sterne blicken kann – egal, einen davon hat er ja schließlich seit 2011 auf dem Hollywood Walk of Fame liegen.

Seinen Schlüssel zum Glück findet Bryan Adams in den auf den ersten Blick flüchtigen Momenten. Das kann ein Kinderlachen nebenan sein, ein Insiderwitz oder jemand, den er beim Blick aus dem Fenster mit sich selbst tanzen sieht. Spätestens die Pandemie hat ihm die Augen für diese doch so wichtigen Lebensimpulse geöffnet und so wollte er während dieser belastenden Zeit all die positiven Dinge rauslassen, die ihn beschäftigt haben. Der Künstler mit dem akkuraten Seitenscheitel hat den Moment gelebt, anstatt sich der Angst zu ergeben.

Songs entstehen nicht durch Zufall. Man muss sich hinsetzen und muss zulassen, dass etwas geschieht.

Bryan Adams
Der Musiker Bryan Adams mit Gitarre vor einem weißen Hintergrund
Bild: BMG Rights Management (US) LLC

Als Freund klarer Worte stellt Bryan Adams klipp und klar fest, dass Songwriting Arbeit sei. Bei ihm entstehen Songs nicht durch Zufall. Er müsse sich hinsetzen und in seinen Arbeitsmodus schalten. Sobald er das getan habe, würden sich zahlreiche Songideen einstellen, berichtet Adams. Von diesen landen zugegebenermaßen etliche als unfertige Songs auf seinem Rechner. Aber wenn er sich diese Rohlinge erneut anschaut, dann kann sich daraus etwas ergeben. Genau das ist der Fall gewesen bei "These Are The Moments That Make Up My Life". Zunächst hat Adams einen Basis-Track mit Gitarre und Gesang aufgenommen, danach die Drums dazu gespielt und auf diese Weise nach und nach den Song aufgebaut. Als er nach passenden Worten suchte und mit dem Text nicht mehr weiterkam, rief er seine vertraute Co-Autorin Gretchen Peters an und komplettierte mit ihr zusammen den Text. Mittlerweile hält der kanadische Weltstar "These Are The Moments That Make Up My Life" für einen der besten Songs, die er jemals geschrieben hat. Darüber hinaus enthält dieser auch noch die eigentliche Botschaft seines Raus-aus-der-Pandemie-Albums, wie Adams auf Nachfrage von Bremen Eins einigermaßen überrascht feststellt.

Bei "So Happy It Hurts" ist natürlich auch Jim Vallance, langjähriger Songwriting-Weggefährte von Bryan Adams, dabei gewesen. Ihre besten Songs schreiben die beiden immer dann, wenn sie sich so lange gegenübersitzen, bis sie sich nicht mehr ins Gesicht schauen mögen und irgendetwas passiert. Deshalb schneiden sie ihre Songwriting-Sessions immer mit, um dann später die Perlen unter ihren musikalischen Einfällen herauszufiltern und auszuarbeiten.

Es geht darum, den Augenblick zu leben, und um die Beziehung der Menschen untereinander. All das passiert gerade in den Momenten, die zwischen den Dingen liegen, die wir als wichtig erachten.

Bryan Adams
Der Musiker Bryan Adams mit Gitarre
Bild: BMG Rights Management (US) LLC

Den Augenblick gelebt hat der sich unter anderem mit seiner Bryan Adams Foundation sozial engagierende Künstler auch während der Aufnahmen im eigenen Warehouse Studio in Vancouver. Er hat den Aufenthalt sehr genossen, da dort auch seine betagte Mutter lebt. Als diese im Studio vorbeischaute, erinnert sich Adams, habe sie sofort begonnen, mit dem Fuß den Takt zu klopfen und anerkennend bemerkt: "Das klingt aber sehr schön, mein Lieber!".

Da Adams lange Zeit nicht zusammen mit anderen ins Studio gehen konnte, hat er die meisten Instrumente kurzerhand selbst eingespielt. Anfänglich habe er das Zusammensein mit anderen Musikern im Studio schon vermisst, gibt er rückblickend zu. Aber jetzt ist er felsenfest davon überzeugt, dass die veränderten Arbeitsabläufe seinem Album nicht geschadet haben.

Für die Rezitation einer Schöpfungsgeschichte des Rock 'n' Roll zu Beginn von "Kick Ass" konnte Bryan Adams den britischen Komiker und als Mitglied von Monty Python unsterblich gewordenen John Cleese gewinnen. Dieser zelebriert seinen Ur-Mythos wie ein Hohepriester des Rock, bevor Adams dann das musikalische Gaspedal durchdrückt.

Der ultimative Optimist ist ein Mensch, der einfach immer weiter ans Gute glaubt und mit dem Besten rechnet – selbst angesichts des Schlimmsten.

Bryan Adams

Für Bryan Adams ist alles an seiner Musik autobiografisch, für ihn muss das so sein. Deshalb ist die Suche nach dem Glück, die den Motor seines aktuellen Albums bildet, auch motiviert von den unscheinbaren Augenblicken, die zwischen den Dingen liegen, die man in der Regel als wichtig erachtet. Diese Momente musikalisch zu artikulieren, sei ziemlich schwer, gibt der seit mehr als vier Jahrzehnten aktive Musiker zu. Es sind die Beziehungen der Menschen untereinander, die ihn interessieren. Sie sind nicht nur Auslöser seiner Musik, sondern auch Antrieb für seine Arbeit als Fotograf, bei welcher er auf die unterschiedlichsten Leute trifft. Raus aus der Blase und rein ins musikalische Fahrvergnügen könnte dann auch das Motto von "So Happy It Hurts" lauten. Den Optimismus, den Bryan Adams auf diesem Album verbreitet, können wir alle gut gebrauchen – heute mehr denn je!

Die Songs

TitelDauer
So Happy It Hurts3:35
Never Gonna Rain3:17
You Lift Me Up3:08
I've Been Looking For You2:00
Always Have, Always Will3:46
On The Road2:48
Kick Ass5:37
I Ain't Worth Shit Without You3:11
Let's Do This3:18
Just Like Me, Just Like You2:10
Just About Gone2:50
These Are The Moments That Make Up My Life3:25

Bryan Adams: "So Happy It Hurts"
BMG Rights
EAN: 4050538712605
VÖ: 11.03.2022

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 14. März 2022, 16:40 Uhr